Österreichs Industrie mit Zuversicht ins Jahr 1998

Lamel: Steigende Exportnachfrage als Konjunkturmotor Wertschöpfungsplus in Sachgüterproduktion 1998: 4,5% erwartet

Wien (PWK) - "Die österreichische Industrie blickt mit Zuversicht in das Jahr 1998", erklärte Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich, heute, Freitag, beim Journalistenseminar der Bundessektion Industrie in Krems. Im Laufe des Jahres 1997 ist in der EU der Konjunkturaufschwung in Gang gekommen. Das BIP der EU dürfte im abgelaufenen Jahr um 2,5% gewachsen sein, nachdem es 1996 um nur 1,7% expandierte. In Österreich wuchs das BIP 1997 um etwa 2% (1996: 1,6%). "Die Wertschöpfung der österreichischen Sachgüterproduktion (Bergbau, Industrie und produzierendes Gewerbe) stieg im abgelaufenen Jahr um rund 4% an", schätzte Lamel, 1996 waren es 1,2 Prozent. ****

Zusammen mit der Verbesserung der Wechselkursrelationen und einer nach wie vor kräftigen Nachfrage aus Osteuropa war für die österreichische Industrie die Exportnachfrage der Konjunkturmotor. Um den Rückstand des heimischen BIP-Wachstums gegenüber der EU aufzuholen, müsse sich die inländische Nachfrage weiter beleben, so Lamel. Die Investitionen, vor allem im Industriebereich, hatten sich bereits 1996 nach dem gravierenden Einbruch der Jahre 1993 und 1994 erholt und sollten dieses Niveau halten. In anderen Bereichen - mit Ausnahme der nach wie vor schwierigen Situation im Bausektor - müßte die Investitionsneigung nachziehen. Es dürfe aber nicht übersehen werden, daß das Investitionsvolumen der Industrie real noch immer unter dem Volumen zu Beginn der 90-er Jahre liegt, betonte der Syndikus.

Nach einem Jahr, in dem der private Konsum nahezu stagnierte, kann für heuer und 1999 mit einer Belebung auch in diesem Bereich gerechnet werden. Zuwachsraten von 1,5% (1998) bzw. 1,8% (1999) sollten das BIP Österreichs insgesamt um 2,7% (1998) und 3,0% (1999) wachsen lassen. Diese Entwicklung nähert sich dem üblichen Muster eines Konjunkturaufschwungs, wo nach Ausfuhrsteigerungen und einer Belebung der Investitionen der private Konsum schließlich nachzieht. Unter diesen Voraussetzungen könnte heuer und im Jahr 1999 ein Wachstum der Wertschöpfung in der Sachgüterproduktion von jeweils 4,5% erwartet werden.

Unsicherheiten ergeben sich allerdings durch die Finanzkrise in Südostasien. Österreichs Exporte in die direkt betroffenen Länder beliefen sich 1996 auf 9,4 Mrd Schilling oder 1,5% der Gesamtexporte. Lamel rechnet mit Einbußen auf der Exportseite, steigenden Importen und stärkerer Konkurrenz auf Drittmärkten. Um gesamtwirtschaftliche Auswirkungen für Österreich seriös quantifizieren zu können, sei es allerdings noch zu früh. "Sicher liegen aber unter diesen Aspekten die Ergebnisse der Prognosen vom Dezember 1997 eher an der Obergrenze".

Die qualitative Einschätzung der Konjunkturentwicklung durch die Fachverbände hat für die ersten drei Quartale 1997 die Verbesserung der Situation deutlich bestätigt, berichtete Lamel. Bei der letzten Umfrage war erstmals seit langem kein Bereich mit einer negativen Einschätzung der Produktionstätigkeit zu finden. Allerdings beklagen viele Branchen einen starken Preisdruck auch auf den Exportmärkten. Es bleibt daher abzuwarten, inwieweit sich eine Mengenkonjunktur auch auf der Ertragsseite positiv niederschlagen wird.

Hinsichtlich der Einschätzung der Auftragssituation herrscht bei den Fachverbänden eher gedämpfter Optimismus: Die Hälfte von ihnen rechnet mit einer Verbesserung, bei den übrigen hat sich großteils keine Veränderung ergeben. Eher unbefriedigend wird die Auftragslage von den Bereichen Stein und Keramik sowie der Metallwarenindustrie eingestuft. "Generell dürfte aber das gegenüber 1997 leicht verstärkte Wachstum der Wertschöpfung der Sachgütererzeugung 1998 in der Einschätzung der Auftragsentwicklung seine Deckung finden", meinte Lamel.

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Dkfm. Joachim Lamel

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