Diskussion um Waffen-Psychotests Psychologenverband: Zusammenarbeit für mehr Sicherheit

Wien (OTS) - In der aktuellen Debatte über psychologische Tests für Waffenbesitzer hat sich erneut auch der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) zu Wort gemeldet. "Bei der derzeit diskutierten möglichen Novellierung der geltenden gesetzlichen Regelungen kann es im Interesse aller nur darum gehen, den Schutz vor Personen, die als Besitzer von Schußwaffen aus psychischen Gründen eine potentielle Gefahr darstellen, weiter zu optimieren", erklärt die Präsidentin des Verbandes, Senta Feselmayer.

Seit der Novellierung des Waffengesetzes im vergangenen Jahr müssen Personen, die einen Waffenschein beantragen wollen, bekanntlich ein positives psychologisches Gutachten vorlegen. Die Begutachtung kann durch spezialisierte klinische Psychologen, die in einer Liste des Innenministeriums erfaßt werden, erfolgen.

Das von freiberuflich tätigen Psychologen angewendete Begutachtungsverfahren umfaßt dabei nicht nur die Vorgabe und Auswertung zweier umfassender wissenschaftlicher Fragebögen, sondern auch ein eingehendes persönliches Gespräch, das ein Gesamtbild über die Verläßlichkeit des Waffenschein-Kandidaten ergeben soll. Die dabei zum Einsatz kommenden Tests beruhen auf standardisierten Verfahren auf dem aktuellen Stand der psychologischen Forschung und erlauben einen umfassenden Einblick in die Persönlichkeitsstruktur des Bewerbers. "Tricks oder gezieltes Lügen können bei unseren Tests das Ergebnis nicht verfälschen", erklärt Feselmayer. Es gebe keine prinzipiell "richtigen" oder "falschen" Antworten. Daß manche Fragen durchschaubar wirken und zu sozial erwünschten Antworten führen können, sei beabsichtigt und werde sowohl bei der Konstruktion der Tests als auch bei der Gesamtbeurteilung gezielt berücksichtigt.

Nach den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie können solche Begutachtungsverfahren das Risiko, daß ein potentieller Waffenbesitzer seine Waffe später für Gewalttaten mißbraucht, reduzieren. "Professionell durchgeführte Begutachtungen durch Experten sind ein hervorragender Filter", weiß Feselmayer aus Erfahrung. "Mit hundertprozentiger Sicherheit ist es allerdings nie auszuschließen, daß es in Einzelfällen zu einem Mißbrauch der Waffe kommen kann. Menschen sind eben keine Maschinen, deren Funktionieren sich einfach mechanisch überprüfen läßt."

Deshalb, so Feselmayer, müsse es im Interesse aller Betroffen erliegen, den Filter noch undurchlässiger zu gestalten. Dazu würde unteranderem beitragen, meint die Psychologen-Chefin, wenn den begutachtenden Psychologen das Testverfahren nicht vorgeschrieben würde, sondern sie in Eigenverantwortung aus einem Testpool den passenden auswählen könnten.

Eine Absage erteilte Feselmayer Versuchen einzelner Institutionen, die Begutachtung von Waffenscheinaspiranten oder -besitzern zu monopolisieren: "Wir registrieren mit Befremden die zuletzt bekannt gewordenen Versuche, aus der aktuellen Debatte Kapital zu schlagen", so die BÖP-Vertreterin. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit,
aus dessen Umfeld zuletzt Kritik an der Begutachtung durch niedergelassene Psychologen gekommen war, bediene sich nicht veröffentlichter Testmethoden, die sich somit der Überprüfung durch die wissenschaftliche Öffentlichkeit entziehen.

Die Berufsgruppe der Psychologen, die über umfassende Erfahrungen in der Begutachtung und Verläßlichkeitsüberprüfung verfügt, werde jedenfalls aktiv ihr Know-how in die aktuelle Debatte einbringen, betont Feselmayer: "Als Berufsverband können wir etwa wesentlich zu einer Kontrolle beitragen, daß Antragsteller nicht zu den Methoden des Prüfungstourismus greifen und ihre Tests bei verschiedenen Stellen so häufig wiederholen, bis sie doch das gewünschte Ergebnis erzielen. "Ein Vernetzungssystem des BÖP, der 1.700 Psychologinnen und Psychologen in ganz Österreich vertritt, könne dazu beitragen, ein solches Vorgehen rasch zu erfassen und zu unterbinden. Entsprechende Änderungsvorschläge zur geltenden Verordnung, die für noch mehr Sicherheit bei psychologischen Untersuchungen sorgen sollen, wollen die Psychologen in den kommenden Tagen auch Innenminister Karl Schlögl unterbreiten.

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