Gewerbe und Handwerk: Leichte Erholung der Konjunktur in Sicht

Stimmung hat sich im 4. Quartal trotz niedriger Auftrags- bestände und schwacher Umsätze deutlich verbessert

Wien (PWK) - "Es gibt erste schwache Anzeichen dafür, daß sich der Nebel lichten und die Sonne im 1. Halbjahr 1998 durchkommen könnte", beschreibt Hans Leitner, Syndikus der Bundessektion Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich, die aktuelle Konjunktursituation im Wirtschaftszweig mit den meisten Beschäftigten. Laut einem Bericht des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung (IfG) ist die Stimmung unter den Unternehmern trotz unbefriedigender Auftragslage und schwachen Umsätzen im 4. Quartal 1997 etwas besser als noch vor einem Jahr. Der "frische Wind, der den Nebel vertreiben kann", stammt von der Industrie, die sich positiv entwickelt. Auch der private Konsum erholt sich allmählich. ****

Wenig ermutigend sind hingegen derzeit die Signale aus der Politik. So ist der Anteil der öffentlichen Aufträge auf den Rekordtiefstand von 14% gesunken. Auch in der Frage der Lehrlingsbeschäftigung müsse man neue Wege gehen, sagte Leitner. Anstatt teure Aktionen zu finanzieren, die nur kurzfristig greifen, sei es bedeutend sinnvoller, in jene Branchen und Bereiche zu investieren, die langfristig Beschäftigung sichern. Leitner nannte in diesem Zusammenhang den Bereich Althaussanierung, Denkmalschutz und Restaurierung, in dem in den nächsten Jahren 10.000 neue Arbeitsplätze und 1.500 neue Lehrplätze geschaffen werden könnten. "Die Praxis der Mietzinsreserve hat gezeigt, daß ein befristeter Verzicht auf Steuereinnahmen eine große Zahl an Arbeitsplätzen langfristig sichern kann. Kurzfristige Beschäftigungsprogramme mit Milliardenaufwand sind sicher der falsche Weg", so Leitner.

In den investitionsgüternahen Branchen hat sich der Auftragsbestand vor allem in den industrienahen Sektoren Chemie/Kunststoff (+1 Prozent) und den modernen Wirtschaftsdienstleistungen wie Werbung und Marktkommunikation (+21,5 Prozent) z.T. deutlich gegenüber dem Vorjahr erhöht. Rückgänge gab es hingegen im Baubereich und den Ausbaugewerben, was nicht zuletzt auf den Tiefstand beim Anteil der öffentlichen Aufträge zurückzuführen ist. "Sorgenkinder" sind derzeit die Sanitär- und Heizungsinstallateure sowie die Maler, Anstreicher und Lackierer, deren Auftragsbestände um rund 14 Prozent niedriger liegen als im Vorjahr. Insgesamt ist der Auftragsbestand in den investitionsgüternahen Gewerbe- und Handwerksbetrieben um durchschnittlich 4,2 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 1996 gesunken. 14 Prozent der Betriebe rechnen mit steigenden Auftragseingängen, 26 Prozent der Betriebe befürchten Rückgänge.

Auch im konsumnahen Bereich haben sich die Umsätze im 4. Quartal 1997 etwas besser entwickelt als im Vorjahr. Nach wie vor überwiegt jedoch die Zahl der Betriebe, die sinkende Umsätze melden. Während sich die Lage in den Sektoren Nahrung/Genußmittel und persönliche Dienstleistungen wieder leicht gebessert hat, bleibt die Situation bei den Kfz-Technikern und im Textil- und Kleidungsbereich weiterhin angespannt. Die leicht gestiegene Konsumneigung wirkt sich prinzipiell positiv auf die Konjunkturlage im konsumnahen Bereich aus. Angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen und stagnierender bis rückläufiger persönlich verfügbarer Einkommen kann zwar noch nicht von einem Konjunkturaufschwung, zumindest jedoch von einer leichten Erholung gesprochen werden. Insgesamt rechnen zehn Prozent der Betriebe wieder mit steigenden Umsätzen, 35 Prozent mit weiteren Umsatzeinbußen.

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