Benchmarking-Studie des FEEI zeigt Negativtrend auf

Steigende Produktivität führt zum Beschäftigungsabbau - FEEI fordert verstärkte Arbeitszeitflexibilisierung und Lohnpolitik auf betrieblicher Ebene

Wien, am 22.12.1997 (OTS) Die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie leidet unter sehr starkem internationalen Wettbewerbsdruck. Um auf den Preisdruck zu reagieren, sind die Unternehmen gezwungen, zu rationalisieren, d.h. die Kosten zu
senken und die Produktivität zu erhöhen. Eine geringe Steigerung des Produktionswertes von öS 91,5 Mrd. 1995 auf öS 92,7 Mrd. 1996 (+1,3%) spiegelt praktisch die stagnierende Nachfrage wider, sodaß Personalabbau die logische Konsequenz für viele Unternehmen ist.

Diese Entwicklung zeigt eine neue Studie des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) auf, die das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) und das WIFI der Wirtschaftkammer Österreich ausgearbeitet haben. Viele Unternehmen zehren bereits an der Substanz, weil die Kosten branchenweit stärker steigen als die Betriebsleistung. Während die Betriebsleistung seit 1990 um 5% gesunken ist, nahmen die Gesamtkosten um nur 1,3 % ab, also insgesamt eine Entwicklung, die wenig Spielraum für Investitionen offenläßt.

Besonders die Arbeitskosten sind EU-weit in Österreich seit
1980 am stärksten gestiegen, nämlich um 134,8 %, während sie in Deutschland zwar noch um 102, 7 %, in Schweden aber nur mehr um
51,3 % gestiegen sind.
Gleichzeitig sinkt die Personalproduktivität (Wertschöpfung pro Arbeitnehmer minus Personalkosten pro Arbeitnehmer): Sie betrug
1990 noch 77.400,- Schilling und sank 1996 auf minus 27.700,-Schilling.

Umso problematischer wird es, branchenweite Lösungen zu finden, da die Spannweite der Gesamtkapitalrentabilität immer weiter auseinander geht (1996: 37,8 %). Werden nun Kollektivverträge für die gesamte Branche abgeschlossen, die sich an der Situation der wenigen Großunternehmen orientieren, so wird dies kleineren und mittleren Unternehmen Probleme bereiten.
Das IWI empfiehlt daher, Öffnungsklauseln zur Anpassung an die betriebliche Situation einzuführen, um flexibel auf einzelbetriebliche Entwicklungen eingehen zu können.

Wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen

Im Anschluß an die Studie formuliert das IWI eine Reihe wirtschaftspolitischer Schlußfolgerungen, die mithelfen können, die Situation zu entschärfen.

Im Arbeitskostenbereich rät das IWI zu Dezentralisierung der Lohnpolitik sowie zu Flexibilisierung des Arbeitsmarktes: Nach wie vor herrscht in Österreich eine relativ starre Lohnpolitik in Form von zentral geführten Kollektivertragsverhandlungen, während etwa in den Niederlanden bereits 1982 mit sozialpartnerschaftlichem Einverständnis die Arbeitsmärkte flexibilisiert wurden.

Weiters muß ein neuer Maßstab für die Lohnpolitik gefunden werden - weg von der reinen Produktivitätsorientierung. Diese wird vor allem dann zum Problem, wenn Produktivitätssteigerungen (bei stagnierender Produktion) verstärkt durch Freisetzung von Arbeitskräften erzielt werden.

Forschung und Entwicklung begünstigen

Eine steuerliche Begünstigung von Forschungs- und Entwicklungtätigkeiten fördert ebenfalls die Existenzsicherung. Als konkretes Vorbild kann das französische Modell dienen: Der Forschungsfreibetrag darf in Frankreich in Höhe von 50% der Differenz zwischen den durchschnittlichen Forschungsaufwendungen
der beiden vorangegangenen Jahre und den Forschungsaufwendungen
des aktuellen Wirtschaftsjahres gebildet werden.

Ein Wechsel auf das französische System würde den durchschnittlichen Forschungsfreibetrag - allein bei den Großbetrieben in der EEI - um rund 14 Millionen Schilling erhöhen, was eine Verringerung der Ertragsteuerbelastung und somit eine Verbesserung des Cash-flow um rund 5 Millionen Schilling (2%) bringen würde. Darüberhinaus bietet dieses Modell einen starken Anreiz in Forschung- und Entwicklung zu investieren. Das hätte Österreich bitter nötig, wie die noch immer "magere" High Tech-Forschungsquote zeigt.

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI)
Dr. Heinz Raschka,
Dr. Michael Würdinger
Tel.: (01) 588 39 DW 12 bzw. 17.

ikp - Institut für Kommunikations-Planung,
Mag. Edina Junger,
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