OeNB - Studie "Aspekte des Zahlungsverhaltens privater Haushalte in Österreich", in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 4/1997, erschienen

Wien (OTS) - Kenntnisse über das Zahlungsverhalten sowie die Struktur der Zahlungen von privaten Haushalten werden zu einer
immer wichtigeren geldpolitischen Fragestellung. Auch wenn in Österreich Veränderungen im Zahlungsverhalten bisher noch
keinen nachhaltigen Einfluß auf die Effizienz der Geldpolitik gehabt haben dürften, ist für die künftige Entwicklung des Bargeldbedarfs beispielsweise entscheidend, in welchem Ausmaß Bargeldzahlungen z.B. durch Kreditkarten oder Chipkarten substituiert werden.

Erstmals für Österreich und basierend auf neuen Erhebungen,
hat die OeNB deshalb in einer umfassenden Studie Aspekte des Zahlungsverhaltens privater Haushalte detailliert untersucht.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Zusammensetzung von Zahlungen privater Haushalte nach den dafür verwendeten Zahlungsformen
sowie die Nutzung von Zahlungskarten (Bankomat-, Kredit- und Quick-Karte).

Insgesamt bestätigen die Erhebungsergebnisse die bisherige Vermutung, daß Bargeldtransaktionen in Österreich immer noch
die weitaus dominierende Rolle spielen. Rund 95 % aller Zahlungstransaktionen und 84,4 % des Zahlungsvolumens privater Haushalte werden bar abgewickelt. Das dürfte auch im internationalen Vergleich ein sehr hoher Anteil an Bargeldtransaktionen sein.

Deutlich wird ein enger Zusammenhang zwischen der Höhe des Zahlungsbetrags und dem verwendeten Zahlungsmittel. Zahlungen
bis zu einer Höhe von 250 S werden fast ausschließlich in
Bargeld vorgenommen, das sind aber mehr als zwei Drittel
(68,5 %) aller getätigten Zahlungstransaktionen. Demgegenüber läßt das Beispiel der Tankstellen - als Branche mit dem klar niedrigsten Anteil an Bargeldzahlungen (77,8 %) - erkennen, daß sich ein verstärktes Angebot an unbaren Zahlungsmöglichkeiten (Bankomatkassen bzw. Akzeptanz von Kreditkarten) sehr wohl auf
das Zahlungsverhalten der Bevölkerung auswirkt.

Allerdings verfügen derzeit nur deutlich weniger als die
Hälfte der Österreicher über eine Zahlungskarte. 42,4 %
besitzen eine Karte mit Bankomatfunktion, 37 % eine Scheckkarte
und 17,6 % eine Kreditkarte. Nahezu 60 % geben an, keine Zahlungskarte zu besitzen. Zusätzlich nutzen aber
beispielsweise von den Bankomatkartenbesitzern 22 % diese Zahlungsfunktion nie, von den Kreditkartenbesitzern hingegen
nur 3 %.

Wie sich aus der Untersuchung ergibt, ist die Nutzung
moderner Zahlungsformen wesentlich vom Bildungsniveau, von der Einkommenshöhe und auch vom Alter abhängig. Gleichzeitig zeigen sich generell erhebliche Beharrungstendenzen im
Zahlungsverhalten: Österreicher, die keine Bankomat- bzw. Kreditkarte besitzen, planen mit großer Mehrheit (78 % bzw.
81 %) auch keine Anschaffung einer Zahlungskarte.

Geht man davon aus, daß der Übergang zu einem effizienteren Zahlungssystem bargeldloser und elektronischer Zahlungsformen gesamtwirtschaftlich wünschenswert ist, so erscheinen dafür
noch weitere Anstrengungen erforderlich. Die in den letzten
Jahren in Gang gekommenen Entwicklungstendenzen müssen
verstärkt fortgeführt werden, wenn sie zu merklichen Veränderungen im Zahlungsverhalten privater Haushalte führen sollen.

Nähere Details zur Studie sind dem Heft 4/1997 der "Berichte
und Studien" zu entnehmen.

Umfrageergebnisse Kartenbesitz

Befragter besitzt Scheckkarte ........ 37,0 %
Befragter besitzt (Scheck- oder
andere) Karte mit Bankomatfunktion . 42,4 %
Befragter besitzt Kreditkarte ........ 17,6 %
Befragter besitzt keine der
genannten Zahlungskarten ........... 59,4 %

Quelle: IFES, OeNB, Ergebnis der Zahlungskartenumfrage
1. u. 2. Quartal 1997 (n=4000).

Umfrageergebnisse Zahlungsverhalten

Anteil an der
Anzahl der Anteil am
Zahlung mit Zahlungen Zahlungsbetrag
Bargeld .......... 94,90 % 84,40 %
Scheck ........... 1,14 % 6,95 %
Bankomatkarte .... 1,25 % 2,54 %
Kreditkarte ...... 1,00 % 4,25 %
Chipkarte ........ 0,07 % 0,04 %
nicht zugeordnet . 1,61 % 1,81 %

Quelle: IFES, OeNB, Ergebnis der Umfrage zum
Zahlungsverhalten, Juli 1996 (n=2000).

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