OeNB - Studie "Der Außenwert des Euro - Bedeutungswandel der Wechselkurspolitik", in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 4/1997, erschienen

Wien (OTS) - Durch die Gründung der Währungsunion erfährt
die Wechselkursproblematik in Europa einen grundsätzlichen Bedeutungswandel. Durch die Schaffung einer gemeinsamen Währung erlangt Europa nicht nur einen höheren Grad an Selbstbestimmung
in der Geldpolitik, sondern gewinnt auch im internationalen Währungsgefüge an Gewicht. Der Euro wird dem US-Dollar als wichtiger Partner gegenüberstehen und in die wesentlichsten Funktionen einer internationalen Währung hineinwachsen, die zur Zeit vor allem durch den US-Dollar ausgefüllt werden. Die Wechselkursentwicklung des Euro gegenüber Drittlandswährungen
wird in einigen Branchen an Bedeutung verlieren, in denen die Kursentwicklung der nationalen EU-Währungen heute noch eine
große Rolle spielt. Andere Wirtschaftsbereiche - vor allem jene Sparten des EU-Außenhandels, die stark in Nicht-EU-Staaten engagiert sind - werden die Entwicklung des Außenwerts des Euro
mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Die Wechselkursproblematik muß vor diesem Hintergrund aus Sicht der EU in ein neues Licht gerückt werden.

Entscheidender Einfluß auf die Wechselkursentwicklung des
Euro gegenüber Drittlandswährungen wird von der Rolle ausgehen, die der neuen europäischen Währung im Weltwährungssystem
zukommt. Erlangt der Euro als internationale Währung in den verschiedenen Ausprägungsmöglichkeiten - als Transaktions- und Fakturierungswährung im internationalen Handel, als
Reservewährung der Notenbanken, als Ankerwährung für Wechselkursregimes und als Veranlagungswährung auf den internationalen Kapitalmärkten - große Bedeutung, so sind umfassende Umschichtungen privater und öffentlicher Portfolios
zu erwarten, die die Wechselkursentwicklung des Euro zu Beginn
der Währungsunion, aber auch in weiterer Folge deutlich mitbestimmen werden.

Die Wettbewerbsfähigkeit des Euro-Raums gegenüber den internationalen Handelspartnern wird durch die Entwicklung des Euro-Außenwerts mitbeeinflußt. Eine Unterbewertung des Euro gegenüber den wichtigsten Weltwährungen kann kurzfristig Wettbewerbsvorteile für Europa bringen, zugleich aber
langfristig das Ziel der Preisstabilität beeinträchtigen. Eine Überbewertung der europäischen Währung verteuert umgekehrt europäische Exportprodukte und verschlechtert die Konkurrenzposition jener europäischen Branchen und Unternehmen,
die ihre Produkte auf den internationalen Weltmärkten außerhalb des Euro-Raums absetzen.

Die Studie gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der internationalen ökonomischen Diskussion und geht in
verschiedenen Szenarien auf mögliche Wechselkursentwicklungen
des Euro unter dem Einfluß von Portfolioumschichtungen und der Geldpolitik des Europäischen Systems der Zentralbanken ein. Es
ist davon auszugehen, daß es zu Beginn der Währungsunion zu
keinem Wechselkursarrangement zwischen Euro, US-Dollar und japanischem Yen kommen wird. Inwieweit langfristig gesehen konkretere Wechselkursvereinbarungen zu einer Stabilisierung
des internationalen Währungssystems beitragen können, wird vor
dem mehrjährigen Erfahrungshorizont der Europäischen Währungsunion zu entscheiden sein.

Nähere Details können der gleichnamigen Studie,
veröffentlicht in "Berichte und Studien", Heft 4/1997,
entnommen werden.

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