Handel: Chancengleichheit im Wettbewerb muß gesichert werden

Kollektivvertragliche Vereinbarungen sollen 1998 vereinfacht und gestrafft werden

Wien (PWK) - "Der österreichische Handel erlebt derzeit einen tiefgreifenden und mit rasanter Geschwindigkeit vor sich gehenden Strukturwandel", betonte Erich Lemler, Obmann der Bundessektion Handel, anläßlich eines Pressegespräches am Freitag. Diese Entwicklung bereitet vor allem kleinen und mittleren Unternehmen Schwierigkeiten, sich am Markt zu behaupten. Natürlich, so Lemler, wolle die Bundessektion nicht für eine Versteinerung der Strukturen eintreten. Korrekturmaßnahmen seien aber dort unerläßlich, wo die Chancengleichheit im Wettbewerb durch übermächtige Marktteilnehmer bedroht werde und öffentliches Interesse, wie etwa die Erhaltung der Nahversorgung, unter die Räder zu geraten drohe. ****

Ein großer Erfolg für den Handel waren im abgelaufenen Jahr die Maßnahmen gegen den Wildwuchs von Einkaufszentren am Stadtrand. Durch die Bestimmung im Anlagenrecht der Gewerbeordnung gibt es erstmals eine bundesgesetzliche Handhabe zur Eindämmung des unkontrollierten Flächenwachstums auf der "grünen Wiese". Zur Zeit laufen die Verhandlungen über die Durchführungsverordnung, die vom Wirtschaftsminister erlassen wird. Sie soll entsprechende Kenngrößen und Beurteilungsmaßstäbe zur Frage, wann eine Gefährdung der Nahversorgung und ein negativer Beschäftigungseffekt vorliegt, enthalten.

Zur Problematik der Ladendiebstähle erneuerte Lemler den Standpunkt des Handels, wonach Ersttäter Bußgeld in Höhe des dreifachen Warenwertes, mindestens aber 1.000 Schilling zahlen müssen. "Wir begrüßen die von Justizminister Michalek vorgeschlagene Verschärfung der Sanktionen für Ladendiebstahl, wollen aber sicherstellen, daß Ladendiebstahl nicht als Kavaliersdelikt behandelt wird", erklärte Lemler.

Ein Hauptziel des Handels für 1998 ist es, die bestehenden kollektivvertraglichen Vereinbarungen zu straffen und zu vereinfachen. "Im Laufe der Zeit sind im Handel zehn verschiedene Kollektivverträge entstanden. Wir wollen jeweils einen, leicht lesbaren und anwendbaren KV für Angestellte und Arbeiter", so Lemler. Außerdem solle es zu einer Vereinfachung der Zuschläge für Arbeiten am Abend und Samstag-Nachmittag kommen. Eine Angleichung der Gehaltstafeln und Gehaltsgebiete in Form eines neuen Beschäftigungsschemas ist ein weiteres Ziel des Handels für das kommende Jahr. Gleichzeitig müsse das Senioritätsprinzip entschärft und mehr Berücksichtigung auf Qualifikation gelegt werden. Auch über eine Erweiterung des Ausnahmekataloges für das Beschäftigungsverbot an jedem zweiten Samstag wolle man, so der Obmann, mit der Gewerkschaft verhandeln.

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