Denkmalschutz schafft Arbeitsplätze für Menschen statt Maschinen

Leitner: "10.000 Arbeitsplätze und 1.500 neue Lehrstellen könnten in den nächsten Jahren geschaffen werden"

Wien (PWK) - Beschäftigung ist das zentrale Problem in Europa. Das Ringen um Konzepte für neue Arbeitsplätze hat zuletzt im Luxemburger Beschäftigungsgipfel einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dabei wurde von den verantwortlichen Politikern einer der wenigen Bereiche geflissentlich übersehen, in dem in den nächsten Jahren zahlreiche hochqualifizierte und vor allem langlebige Arbeitsplätze und Lehrstellen geschaffen werden können: die Althaus- und Denkmalpflege. ****

Im Rahmen eines Symposions der Bundessektion Gewerbe und Handwerk mit dem Titel "Althaus- und Denkmalpflege - Pflicht und Chance" wurde deutlich, welch enormes Beschäftigungspotential in der Restaurierung und Erhaltung von Kulturbauten für die heimische Wirtschaft steckt. Derzeit gibt es in Österreich rund 36.000 erhaltungswürdige, historische Bauten. Um dieses kulturelle Erbe für die Nachwelt zu erhalten, müssen in den nächsten 10 Jahren rund 151 Mrd Schilling investiert werden. "Wir müssen endlich wieder Arbeit für Menschen statt für Maschinen schaffen. Mit der Sanierung und Erhaltung unseres kulturellen Erbes können wir nicht nur 10.000 neue Arbeitsplätze und 1.500 neue Lehrstellen im Handwerk schaffen, sondern jährlich weitere 10.000 Jobs langfristig absichern", ist Hans Leitner, Syndikus der Bundessektion Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich, überzeugt. Denn Investitionen in die Restaurierung von Kulturbauten sind besonders arbeitsintensiv. Experten gehen davon aus, daß durch Sanierungen und Denkmalpflege 1,5 mal so viele Arbeitnehmer beschäftigt werden können als im Neubau. Neben dem Baugewerbe profitieren aber auch andere nachgelagerte Produktions-und Dienstleistungsbereiche und vor allem der Tourismus.

Um die Investitionen in das kulturelle Erbe jedoch auch budgetär in den Griff zu bekommen, müssen zunächst alle steuerlichen Spielräume in Österreich besser genützt und neue Finanzierungskonzepte diskutiert werden. "Denkmalschutz muß sich rechnen. Daher müssen wir die Rahmenbedingungen so ändern, daß es auch für kleine Anleger interessant und attraktiv ist, in die Erhaltung unseres kulturellen Erbes zu investieren", sagte Leitner. Derzeit liegen rund 3 Billionen Schilling auf österreichischen Sparkonten. Allein 1,7 Billionen Schilling entfallen auf niedrig verzinste Spareinlagen. Leider hat der Gesetzgeber erst kürzlich ein Paradebeispiel für das erfolgreiche Abwürgen privater Investitionstätigkeit geliefert, als die sogenannten Bauherrenmodelle für die begünstigte Absetzung von Sanierungsmaßnahmen zur Stadterneuerung abgeschafft wurden. Ohne "Steuerzuckerln" ist es für die Inhaber von Sparkonten natürlich nicht sehr reizvoll, Geld in Sanierungsmaßnahmen fließen zu lassen. Der Steuerrechtler Univ.-Prof. Heidinger hat festgestellt, daß der Wegfall von Privatinvestitionen in diesem Bereich jährlich rund 3 Mrd Schilling beträgt, was einen Verlust von fast 5.000 Arbeitsplätzen bedeutet. Der Nettoschaden für den Finanzminister beträgt 1,2 Mrd Schilling. Leitner: "Wir wollen nicht zurück zu den alten Bauherrenmodellen mit Abschreibmöglichkeiten, die sich je nach Progression mehr oder minder steuerschonend auswirken. Was wir wollen, ist ein Prämiensystem, das gleiche Gewinnchancen für alle Investoren schafft." Denkbar wäre es auch, Restaurierung und Sanierung in die Frage der steuerlichen Behandlung der Mietzinsreserve einzubinden. Zusätzliche Finanzierungen für die Erhaltung des kulturellen Erbes, wie sie beispielsweise in Großbritannien über den National Trust durch Privatinitiative praktiziert werden, sollten ebenfalls diskutiert werden.

Daß Denkmalschutz auch ein enormer Exportschlager werden könnte, dafür sorgt schon die solide Ausbildung mit Meisterprüfung, die in Europa ein überdurchschnittliches Niveau garantiert. "Unser human-capital ist ein großes Exportpotential an Fachwissen und handwerklicher Kunst. Aber wir brauchen auch Referenzprojekte, um die Leistungsfähigkeit des österreichischen Handwerks unter Beweis zu stellen. Es kann nicht jedes Jahr die Hofburg abbrennen, damit uns das gelingt", meinte Leitner.

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