Landau: Arbeitslosigkeit bei Frauen alarmierend hoch "Frauen und Familien brauchen mehr Förderung"

Wien, 17.12.1997 (car-pd) - "Die Folgen der Arbeitslosigkeit treffen Frauen mit besonderer Härte", sagte der Wiener Caritasdirektor Michael Landau. "Daß 270.000 Kinder in Österreich von Armut bedroht sind, liegt nicht zuletzt an der krassen Benachteiligung von Frauen im Berufsleben."

Die angespannte Situation hat konkrete Folgen für die Caritas: In den ersten zehn Monaten des Jahres ist die Zahl der Beratungen um 20 Prozent gestiegen. 60 Prozent der Klienten sind Frauen. "Zwei Drittel aller Menschen, die bei der Caritas Hilfe suchen, sind arbeitlos", berichtet der Wiener Caritasdirektor.

"Gerade Frauen und Kinder leiden unter den Folgen der Arbeitslosigkeit. Oft reicht das Geld nicht mehr für einfachste Reparaturen. Wer die Wahl hat, entweder die Waschmaschine reparieren zu lassen oder die Miete zu bezahlen, muß unter enormen seelischen Druck leben. Das hat oft schlimme Folgen für das Zusammenleben in der Familie: die Aggressionen nehmen zu, das Selbstwertgefühl der Kinder leidet und immer mehr Frauen müssen mit Depressionen fertig werden.

Allein in Wien leben 30.000 Menschen, die seit über einem Jahr keine Arbeit mehr finden. Das entspricht der Einwohnerzahl eines Bezirkes wie Neubau oder Wieden. Doch es leiden viel mehr Menschen direkt unter den Folgen der langen Arbeitslosigkeit: zählt man pro Arbeitslosem nur zwei betroffene Familienmitglieder dazu, ist man bei 90 000 Betroffenen, das entspricht der Einwohnerzahl eines großen Bezirkes wie Ottakring.
Im Umgang mit dem Phänomen Arbeitslosigkeit ortet Landau einen "Schwächeanfall der Politik." "Eine Gesellschaft kann nur dann für sich in Anspruch nehmen, gerecht zu sein, wenn Benachteiligte Vorrang haben," sagt Landau.
"Gruppenegoisten tendieren eben nur in Ausnahmefällen dazu, sich für Schwache einzusetzten," konstatiert Landau. Nicht zuletzt deshalb seien Frauen in Österreich oft nur mit-abgesichert. "Wenn das "mit" wegfällt, wenn die Partnerschaft zerbricht, stehen sie häufig vor dem Nichts. Dazu kommt noch, daß Frauen mit Kindern durch die Sparpakete Einkommensverluste von mehreren tausend Schilling jährlich hinnehmen mußten."

Um die soziale Situation für Frauen und Familien zu verbessern, fordert Landau:

angemessene Geburtenbeihilfe für sozial Schwache
Karenzgeld für alle sozial Schwachen, unabhängig von Erwerbstätigkeit verstärkte Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen im Karenz flexiblere Möglichkeit des Dazuverdienens während der Karenzzeit und in Zeiten der Arbeitslosigkeit, damit der Kontakt zum Unternehmen nicht abreißt

Förderung flexiblerer, kinderfreundlicher Arbeitszeiten für Frauen und Männer

Arbeitslosengeld zumindest in der Höhe des Existenzminimums

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