"Klimaschutz ist für alle gleich, oder nicht?"

Wirtschaftskammer für eine gleichmäßige Aufteilung der Lasten innerhalb der EU - Auch EU-Südstaaten sollen mitziehen

Wien (PWK) - Die jüngst zuende gegangene internationale Klimaschutzkonferenz in Kyoto hat, wie berichtet, ein verbindliches Protokoll zur Reduktion der treibhausrelevanten Gase für alle Industriestaaten gebracht. Im wesentlichen bewegen sich diese verbindlichen Reduktionen im Bereich von minus 6 bis 8 Prozent bis zum Jahr 2010. ****

"Wichtig für Österreich ist nun, daß die EU-interne Aufteilung dieses Minus von 8 Prozent einheitlich vorgenommen wird und es nicht dazu kommt, daß Länder wie Portugal oder Griechenland innerhalb der EU eine Zusage über plus 40 bzw. plus 30 Prozent erhalten. Solche Zugeständnisse wären nicht im Sinne des Umweltschutzes und der einheitlichen Umweltpolitik der Union", faßt DI Adolf Kerbl, Klimaschutzexperte der Umweltpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich und einer der österreichischen Teilnehmer an der Konferenz, den Standpunkt der Wirtschaft zusammen.

Der Anspruch Österreichs, daß andere Länder zum hohen Umweltschutzniveau der Alpenrepublik aufschließen sollen, müsse auch hier seine Anwendung finden. Wenn schon die osteuropäischen Länder Reduktionen im Bereich von 5 bis 8 Prozent zusagen, so müßten auch die schon länger integrierten Südstaaten Verantwortung übernehmen und in dieser Frage entsprechend mitziehen, fordert Kerbl.

Eine freiwillige Ausdehnung der österreichischen Verpflichtungen hätte nur einen einzigen Effekt: andere EU-Staaten dabei zu unterstützen, ihre Anstrengungen zurückzunehmen. Jede zusätzliche Einsparungstonne, zu der sich Österreich verpflichtet, bedeutet eine Tonne mehr an Emissionen in einem anderen EU-Staat. Für den Klimaschutz ist dabei nichts zu gewinnen, für die österreichische Wirtschaft jedoch einiges zu verlieren.

Ein Vertrag wie jener von Kyoto bzw die innereuropäische Aufteilung bedingen, daß jene Länder, die ihre Ziele nicht erreichen, Emissionszertifikate zukaufen müssen. Das Ziel Österreichs sollte es dabei sein, eher durch den Verkauf von Emissionszertifikaten zusätzliche Mittel für die heimische Volkswirtschaft zu lukrieren, als möglicherweise dazu verdonnert zu werden, diese eventuell von anderen Ländern zukaufen zu müssen.

Reduktionsziele, wie sie die EU auf sich genommen hat, sind schwierig zu erreichen, aber bei viel Optimismus, hohen Investitionen und bei Zuverfügungstellung öffentlicher Gelder theoretisch im Bereich des Möglichen. In Österreich müsse man sich jedenfalls darüber im klaren sein, daß die Realisierung der Ziele mit Belastungen und Einschränkungen verbunden ist.

Rückfragen & Kontakt:

Abteilung für Umweltpolitik
Tel. 501 05 DW 3578

Dipl.Ing. Adolf Kerbl

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK