Korosec: Eine Straße, die niemand wollte

Wien (OTS) - Es war im Sommer 1991, als der Felberbach in
Salzburg über die Ufer trat, sich die Wassermassen ihren Weg auch über die angrenzenden Liegenschaften bahnten und dort ihre Spuren hinterließen. Wie andere stand auch ein Salzburger Ehepaar vor vollendeten Tatsachen und vor einem Schaden von knapp 44.000 Schilling. Linderung der finanziellen Lage der Beteiligten
versprach zunächst der Katastrophenhilfefonds, der auch den Ehegatten etwa 27.000 Schilling ersetzte. ****

Für den darüber hinausgehenden Schaden fühlte sich indes niemand verantwortlich, obwohl bald feststand, daß nicht allein
die starken Regenfälle den Bach zum Überlaufen brachten, sondern der eigentliche Grund in einem zu gering dimensionierten Durchlaß unter der benachbarten Straße zu suchen war.

Volksanwältin Korosec nahm sich der Sache an und machte sich
auf die Suche nach dem Verursacher. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, wie sich bald herausstellen sollte ...

Der zu gering dimensionierte Straßendurchlaß - so teilte die Salzburger Landesregierung zunächst der Volksanwältin mit - wäre durch den damaligen Straßenerhalter, nämlich den Magistrat der Stadt Salzburg, ohne entsprechende Bewilligung errichtet worden. Für eine weitere Entschädigung fehle im übrigen die gesetzliche Grundlage - man bedaure.

Nicht verantwortlich für die Straße fühlte sich aber auch der -aufgrund dieser Angaben der Salzburger Landesregierung zur Ersatzleistung aufgeforderte - Magistrat der Stadt Salzburg.

Eine Straße also, die niemand will.

"Es darf nicht sein, daß Kompetenzstreitigkeiten auf dem Rücken betroffener Bürger ausgetragen werden", meinte Volksanwältin Korosec und verlangte vom Magistrat der Stadt Salzburg eine neuerliche Prüfung.

Im Dunkel der Geschichte

"Und er leistete" - wie Volksanwältin Korosec meint - "im Interesse des Bürgers ganze Arbeit!"

Beginnend im 19. Jahrhundert, wurde in den Archiven penibel der Frage nach dem Straßenerhalter und damit nach dem Verursacher nachgegangen. Mit dem Ergebnis, daß die Straße seit 1923 eine Landesstraße des Landes Salzburg war.

Mit vereinten Kräften

Ausgestattet mit diesem historisch fundierten Wissen, wandte
sich Volksanwältin Korosec schließlich nochmals an die Salzburger Landesregierung und ersuchte diese, dem Ehepaar den noch offenen Schaden zu ersetzen.

Einen Monat später das erfreuliche Ergebnis: Im Zuge eines Vergleiches gestand die Salzburger Landesregierung den Ehegatten eine angemessene Entschädigung zu. "Ein Musterbeispiel für einen Fall, den die Volksanwaltschaft gemeinsam mit den betroffenen Behörden im Sinne des Bürgers zu einem positiven Ende bringen konnte", freut sich Volksanwältin Korosec. Nachahmung erwünscht.

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VA Ingrid Korosec
Singerstraße 17
1015 Wien
Tel.: (01) 515 05/131

Volksanwaltschaft

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