Beschäftigungszusage '98 für alle Lernfähigen und Lernwilligen

Jobs für alle Lehrlinge, wenn Entschädigung von AMS gezahlt, Teillehre eingeführt und Absetzbetrag gewährt wird

Wien (PWK) - Eine "Beschäftigungszusage für alle lernfähigen und lernwilligen Pflichtschulabsolventen des Jahres 1998" gab WKÖ-Präsident Leo Maderthaner Freitag unter der Voraussetzung ab, daß drei wichtige Forderungen der Wirtschaft erfüllt werden: "Wenn das Arbeitsmarktservice sinnvoller Weise die Kosten der Lehrlingsentschädigung übernimmt, wenn es zur Einführung der Teillehre kommt und wenn ein spezieller Steuerabsetzbetrag eingeführt wird, dann kann ich im Namen der österreichischen Wirtschaft den Lehrlingen Vollbeschäftigung zusagen." ****

An der Bereitschaft der österreichischen Unternehmen, Lehrlinge auszubilden, habe es schon im abgelaufenen Jahr nicht gefehlt. 1997 wurden immerhin 47.662 neue Lehrverträge abgeschlossen und damit 2.675 mehr neue Lehrstellen geschaffen als 1996. "Sollten Regierung, Parlament und Sozialpartner den Reformvorschlägen der Wirtschaft zustimmen, dann wird im kommenden Jahr kein lernfähiger und lernwilliger Jugendlicher auf der Straße stehen," sagte Maderthaner.

Für die wenigen Jugendlichen, die dann trotz allem keinen Lehrplatz finden, "werde ich gemeinsam mit den WIFIs der Wirtschaftskammer dreimonatige Intensivkurse zur Auffrischung und Vertiefung berufsvorbereitender Lerninhalte einrichten," versprach Maderthaner. Die Wirtschaftskammer sei bereit, sich die Kosten für diese zusätzliche Ausbildungsaktivität mit dem Arbeitsmarkt-Service zu teilen.

Die Sorge um die Arbeitsplätze beherrsche heute aber nicht nur die Jugendlichen, sondern alle Altersgruppen. Österreich habe noch immer ausreichend Möglichkeiten, neue Arbeit zu schaffen, etwa durch neue Beschäftigungsfelder im Dienstleistungsbereich oder in den boomenden Kommunikationsbranchen, aber auch durch die Zurückdrängung der Schattenwirtschaft und vor allem durch neue Exporte, betonte Maderthaner.

Die Klein- und Mittelbetriebe sind zu den verläßlichsten Arbeitsplatzsicherern in unserem Land geworden und werden es auch künftig bleiben. Diese gesunden Betriebe müßten sich im Markt bewähren können, sie dürften nicht stärker belastet werden, als ihre Konkurrenz im Ausland. Das gelte auch für das geplante Road pricing. Solange es keine einheitliche europäische Lösung dafür gäbe, brauche man mit der Wirtschaft über die Einführung des LKW-Road pricing gar nicht reden, sagte Maderthaner. In diesem Kontext stellen sich u.a. folgende Fragen:

* "Ist es wirklich unsozial zu fragen, ob wir so viele Feiertage tatsächlich brauchen, wenn es um die Sicherung von Arbeitsplätzen geht?

* Ist es wirklich unsozial, wenn bei bestimmten Transferleistungen auch nach der Bedürftigkeit des Empfängers gefragt wird?

* Ist es wirklich unsozial, wenn Gehaltserhöhungen nicht automatisch nach der Dauer der Beschäftigung, sondern vor allem durch Leistung verdient werden?

* Ist es sozial, wenn ältere die Zukunft der Jugend verleben?"

Auch Österreich sei dem rauhen Wettbewerb ausgesetzt, müsse die Zeichen der Zeit erkennen und konkrete Veränderungen planen: "Wir reden deshalb nicht von der Exportoffensive, wir machen sie - und zwar seit Jahren und jetzt auch verstärkt für Klein- und Mittelbetriebe. 84 Handelsdelegierte haben mitgeholfen, daß Österreichs Exporte in den vergangenen fünf Jahren gesteigert werden konnten. Allein im ersten Halbjahr 1997 kam es zu einer Zunahme um zwölf Prozent. Weitere konkrete Fortschritte konnten auf Betreiben der Wirtschaftskammer im Technologiebereich und zur Gründung neuer Unternehmen erzielt werden.

"Zu unseren größten Herausforderungen gehört jetzt die Verwirklichung der Währungsunion," erklärte Maderthaner. Österreich habe bei allen gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen eine gute Ausgangslage. "Auch im Interesse der Zukunftssicherung unserer Jugend müssen wir unser stabiles gesellschaftliches Umfeld, unsere hohe Lebensqualität und eine relativ hohe Rechtssicherheit bewahren und neue ehrgeizige Ziele anstreben," betonte Präsident Maderthaner abschließend.
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