Zypern am Weg zur Drehscheibe zwischen EU und Südosten

Österreichs EU-Beitritt intensivierte Handelsbeziehungen Suche nach politischer Lösung mit Türkei unumgänglich

Wien (PWK) - Eine weitere starke Annäherung oder gar ein Beitritt Zyperns zur EU würde für die Wirtschaft der Mittelmeerinsel zweifelsohne enorme Chancen bedeuten, ist Österreichs Handelsdelegierter in Athen, Wilhelm Galathovics, überzeugt. "Zypern könnte zu einer Drehscheibe zwischen der EU und den Wirtschaftsräumen im Südosten werden, wobei das britische Erbe in den Verwaltungs- und Finanzstrukturen weitere Pluspunkte wären". Die Beitrittswünsche, die durch ein positives Avis der EU-Kommission unterstrichen werden, hätten die Suche nach einer politischen Lösung mit der Türkei unumgänglich, wenn auch nicht leichter gemacht. ****

Wird Zypern mittelfristig in die Europäische Union aufgenommen, so würde die Kombination mit dem Off-Shore-Geschäft und der damit zusammenhängenden Verflechtung Zyperns mit den südlichen Nachfolgestaaten der Sowjetunion und dem Nahen Osten der zypriotischen Wirtschaft sehr zuträglich sein, beschreibt Galathovics die neuen Perspektiven des Kleinstaates.

Generell kennzeichnet eine starke Dominanz des Dienstleistungssektors, der fast 70 Prozent des Bruttonationalproduktes erwirtschaftet und 60 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt, die Wirtschaft Zyperns. Der Fremdenverkehr, Einnahmen der Reederei und stark zunehmend das Off-Shore-Geschäft sind die Devisenbringer des Landes. Weniger entwickelt sei dagegen der Produktionssektor, der hauptsächlich auf Kleinbetrieben in Familienbesitz basiert und zunehmend unter strukturellen Schwächen leidet, berichtet Galathovics.

Aufgrund dieser Struktur ist es klar, daß die Importe die Ausfuhren bei weitem überwiegen, wobei das Handelsdefizit durch die hoch aktive Dienstleistungs- und Kapitaltransfer-Bilanz weitgehend abgedeckt wird. Der Außenhandel ist völlig auf die EU ausgerichtet, insbesondere auf Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich.

"Diese Ausrichtung hat nicht nur historische und politische Hintergründe, sondern ihre Ursache in den Präferenzzölle die Zypern bei den Exporten in die EU genießt sowie in der Tatsache, daß auch Zypern seine Einfuhrzölle an den EU-Außenzoll herangeführt hat", erklärt der Handelsdelegierte.

Aufgrund dieser Entwicklung ist Zypern für Österreich seit unserem EU-Beitritt ein interessanter Markt geworden, der aufgrund der hohen Importabhängigkeit praktisch für alle Produkte und Dienstleistungen aufnahmefähig ist. Bisher verzeichnete Österreich traditionelle Exporte bei Käse, Papier, Holz, Maschinen und Fahrzeugen, Kunststoffen, Eisen und Stahl sowie Textilien.

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