Gehrer: Schule kann Jugendliche zu Konfliktkultur befähigen

Wien (OTS) – "Die Schule kann die Jugendlichen befähigen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Konfliktarbeit heißt deshalb auch Kommunikation, Teamarbeit und Auseinandersetzung. Dies lernt man durch Tun und Vorleben. Die Schule ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, sie kann aber nicht alle Defizite ausgleichen und
das Problem von Gewalt alleine lösen." Das sagte heute, Mittwoch, Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer bei der Enquete "Gewalt in der Gesellschaft" der Bundessektion Pflichtschullehrer der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. ****

Liest man nur die Überschriften der Zeitungen, so erhalte man subjektiv den Eindruck, daß es eine Unmenge Gewalt gebe. Eine Studie des Institutes für Rechts- und Kriminalsoziologie Wien, bei der 2.750 Jugendliche, Erwachsene und Lehrer befragt wurden,
konnte dieses subjektive Empfinden aber nicht bestätigen. Es gibt quantitativ keine Zunahme von Gewalt, aber sie wird zunehmend brutaler. "Auch bei der Gewalt durch das Wort ist ein Anstieg zu verzeichnen", so Gehrer.

"Es ist wichtig, Bewußtseinsbildung zu erzeugen. Wir brauchen dabei viele Ansätze. Jeder ist dazu aufgerufen, etwas zu tun, das fangt bei Lehrerversammlungen und Elternvereinen an", so Gehrer.

"Erziehungsarbeit muß in erster Linie die Familie leisten. Schule kann nur ergänzend eingreifen. Daher muß auch die Basis für Gewaltfreiheit in der Familie gelegt werden." Die Ministerin wies allerdings auch auf folgende Entwicklung hin: "Der Erfolg der
Kinder wird heute zum Erfolg der Eltern, und heute ist anscheinend nur mehr die Matura ein Erfolg. Dadurch entsteht ein Druck auf die Kinder, der Angst und auch Aggression erzeugen kann." Man dürfe dies nicht übersehen und müsse darüber diskutieren, was das Leben lebenswert macht", so die Ministerin.

Ein Thema der Enquete war unter anderem auch das Internet.
Alle Schulen sollen bis zum Jahr 2000 über einen Internetanschluß verfügen. "Deshalb ist eine Diskussion darüber wichtig, inwieweit europaweit Anbieter von Pornographie- und Gewaltdarstellungen, die gegen das Gesetz verstoßen, bestraft werden.

Die Ministerin wies zudem auf einige Maßnahmen des Unterrichtsministeriums gegen Gewalt hin wie beispielsweise die Aktion "Lesen gegen Gewalt" oder "Das Schweigen brechen" zur Enttabuisierung des Themas Kindesmißbrauch. Zudem werden Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer an allen Pädagogischen Instituten angeboten.

Ebenfalls am Podium diskutierten unter der Moderation von Dr. Tessa Prager von News die Medienpädagogin Dr. Ingrid
Geretschlaeger von der Universität Leipzig, der Kärntner Schulpsychologe Dr. Gert Lach, der oberösterreichische Landesschulratspräsident Dr. Johannes Riedl, der Landesschulrats-Vizepräsident des Landes Oberösterreich, Prof. Dr. Ortwin Wingert sowie ORF-Kurator Dr. Ernst Strasser.
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