Österreich CO2-Emissionen 1996 auf hohem Niveau stabil -BILD

Bartenstein für umfassendes CO2-Reduktionsprogramm - Neue Informationskampagne des Umweltministeriums zum Klimaschutz

Wien (OTS) - Österreichs CO2-Ausstoß ist 1996 auf hohem Niveau stabil geblieben. "Das Einschleifen auf eine rückläufige Emissionsentwicklung hat Österreich aber noch nicht erreicht", berichtete Umweltminister Dr. Martin Bartenstein heute, Montag,
bei einer Pressekonferenz in Wien. In diesem Rahmen präsentierte
er auch eine neue Kampagne des Umweltministeriums, die in TV-Spots und Inseraten das Bewußtsein für den Klimaschutz schärfen soll.

Um eine Senkung der CO2-Emissionen zu erreichen, seien verstärkte Anstrengungen notwendig, sagte der Minister. Oberste Priorität habe die thermische Sanierung von Gebäuden, um die zum Heizen aufgewendete Energie zu verringern. "Verdammt schlecht"
stehe es auch um die Kraft-Wärme-Kopplung außerhalb der Industrie, vor allem im Gebäudebau. Als wesentlichen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen aus dem Verkehr nannte Bartenstein die Verbrauchsabsenkung bei Autos. Er gehe davon aus, daß die EU-Umweltminister im Dezember zu einer verbindlichen Regelung kommen.

Wie Österreich das Toronto-Ziel, nämlich eine CO2-Reduktion bis 2005 um 20 Prozent gegenüber 1988 zu erreichen, habe der heimische Klimabeirat in einem 60-Punkte-Programm zusammengefaßt, erinnerte Bartenstein. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen sollten nun durch einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern rechtlich
verbindlich gemacht und umgesetzt werden. Das Programm umfaßt 60 Maßnahmen für die Sektoren Energie und Verkehr. Das Toronto-Ziel sei schließlich nicht "Privathobby" des Umweltministers, sondern eine Verpflichtung Österreichs, zu der sich Bundesregierung und Nationalrat mehrfach bekannt hätten, erklärte Bartenstein.

Von der Anfang Dezember im japanischen Kyoto stattfindenden Welt-Klimakonferenz erwartet sich Bartenstein völkerrechtlich verbindliche Verpflichtungen für alle Staaten, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. In der EU ortet der Minister höhere Chancen auf
eine Ökologisierung des Steuersystems. Eine "neue Allianz" von Umwelt-, Arbeits- und Finanzministern bekenne sich dazu, die Arbeitskosten zu senken und Energieprodukte zu besteuern.

Im internationalen Vergleich seien die österreichischen Werte "herzeigbar", sagte Bartenstein. Von 1990 bis 1995 hat Österreich ein CO2-Plus von 0,2 Prozent verzeichnet. Im gleichen Zeitraum
seien die Emissionen Dänemarks um 4,7 Prozent, jene Finnlands um 4,1 Prozent und jene Schwedens um 4,8 Prozent gestiegen. Japan verzeichnete einen Zuwachs von 8,3 Prozent, die USA von 5 Prozent. Lediglich Großbritannien schaffte durch den Umstieg von Kohle auf Gas ein Minus von 4,9 Prozent. Pro Kopf ist jeder Österreicher für den Ausstoß von 7,2 Tonnen CO2 im Jahr verantwortlich. Auf einen dänischen Staatsbürger kommt ein Pro-Kopf-Ausstoß von zehn Tonnen, auf einen deutschen von 12 Tonnen.

Schleicher: Toronto-Ziel durch Kurskorrektur noch zu schaffen

Der erhöhte Verbrauch von Kohle und Gas in der langen, intensiven Heizperiode sei hauptverantwortlich für den erhöhten CO2-Ausstieg im Vorjahr, präzisierte Univ.-Prof. Dr. Stefan Schleicher namens des Österreichischen Klimabeirats, der die CO2-Bilanz 1996 erstellt hat. Dagegen seien die Emissionen aus dem Verkehr rückläufig gewesen, was vor allem auf den steigenden Tanktourismus und den rückläufigen Fremdenverkehr in Österreich zurückzuführen sein dürfte. (Anm.: Statistisch werden nur die im Inland verkauften Treibstoffmengen erfaßt.) Bereinige man die Emissionen temperatur- und konjunkturbedingt, ergebe sich eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Für 1997 erwartet Schleicher nach vorläufigen Schätzungen durch die höhere Jahrestemperatur einen deutlich geringeren Energieverbrauch.

Wenn sich der Trend fortsetze und keine Kurskorrektur
vorgenommen werde, sei das Toronto-Ziel für Österreich nicht erreichbar, warnte der Wissenschafter. Er empfahl ebenfalls die Umsetzung des 60-Punkte-Technologieprogramms. Das Paket, dessen Umsetzung neun Jahre lang je 1,4 Milliarden Schilling pro Jahr kosten würde, mache die Wirtschaft wettbewerbsfähiger und entlaste die Konsumenten von Energiekosten. Das Toronto-Ziel werde quasi
als "Nebenprodukt" erreicht. "Klimaschutz ist eine Frischzellentherapie für Österreichs Wirtschaft" faßte Schleicher zusammen.

(Fortsetzung)

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