Familie und Arbeit 3: In Holland ist Vollzeitarbeit die Ausnahme

In den Niederlanden ist die traditionelle Vollzeitarbeit zur Ausnahme geworden. Kaum fünf Prozent der berufstätigen Mütter wählen dieses Modell, berichtete die Soziologin Bettina Bock von der Universität Wageningen. Auch für Männer werde Teilzeitarbeit immer normaler, wobei das von ihnen am häufigsten gewählte Modell jenes der Vier-Tage-Woche sei.

Flexible Arbeitszeiten werde sowohl von den Arbeitnehmern immer mehr nachgefragt als auch von den Arbeitgebern immer offener beurteilt, sagte Bock. Da die Niederlande mittelfristig mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften rechnen, gewinne die Familienfreundlichkeit für Betriebe an Gewicht, um gute Arbeitskräfte für sich zu gewinnen.

80 deutsche Betriebe sind "geprüft familienfreundlich"

Ein Audit-System, das die Familienfreundlichkeit eines Betriebs mißt, wird in Deutschland schon seit mehreren Jahren praktiziert, berichtete die Münchner Arbeitszeitberaterin Angela Fauth-Herkner. Mittlerweile seien schon rund 80 Unternehmen zertifiziert, 250 weitere hätten großes Interesse daran.

Dabei gehe es den Betrieben gar nicht so sehr darum, eine Auszeichnung zu erhalten, als vielmehr wertvolle Impulse für ein familienfreundlicheres Firmenumfeld zu bekommen. Die dabei entwickelten Maßnahmenpakete enthalten unter anderem neue Arbeitszeit- und Arbeitsorganisationsmodelle, Telearbeit, finanzielle Unterstützungen, Kinderbetreuungsangebote und Qualifikationsprogramme für die verantwortlichen Führungskräfte.

BMW offeriert 200 verschiedene Arbeitszeitmodelle

Von den 300 verschiedenen existierenden Arbeitszeitmodellen werden bei BMW Deutschland schon 200 in der Praxis eingesetzt, so Gerhard Bihl von BMW. Allein 20.000 männliche Vollzeit-Beschäftigte arbeiten nur noch an vier Tagen pro Woche.

Die meisten Modelle hätten einen betont familienfreundlichen Aspekt, sagte Bihl. Die Palette reicht von Gleit- und Teilzeitmodellen über "Lebensarbeitszeitkonten" bis zu Freijahren ("Sabbaticals") und "Job-sharing". Um solche Modelle umzusetzen, müßten allerdings Gesetze und Tarifverträge den entsprechenden Spielraum offenhalten, betonte Bihl.

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