Familie und Arbeit 2: Es gibt schon über 300 Arbeitszeitmodelle

Bartenstein: "Eines müßte für jeden Arbeitsplatz passen

Wien (OTS) - Mobilzeit sei mehr als Teilzeit, betonte Familienminister Dr. Martin Bartenstein bei der Enquete des Familienministeriums in Wien. So gebe es in Europa derzeit rund 300 Arbeitszeitmodelle, die von der Normarbeitszeit abweichen. Mobilzeit bedeute aber nicht, daß der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmer unbegrenzt zur Verfügung stehen müsse. "Ich bin sicher, daß eines der 300 Modelle auf so gut wie jeden Arbeitsplatz in Österreich angewendet werden könnte", hielt Bartenstein fest.

Es sei falsch, die Anwesenheitszeit am Arbeitsplatz als oberstes Qualifikationsmerkmal für einen Arbeitnehmer heranzuziehen. Die Ergebnisse der Arbeit seien wichtiger, bekräftigte Bartenstein. Die neuen Technologien der Kommunikation sollten dieses Umdenken erleichtern, da sie die Verpflichtung zur "örtlichen Verfügbarkeit" verringern.

Ein Kriterium für die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz sei auch die "Zeitsouveränität", so der Minister weiter. "Wer souverän über seine Arbeitszeit entscheiden kann, ist besser drauf und kann auch Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen." Die eigenständige Entscheidungskraft über die Arbeitszeiteinteilung, die bei Selbständigen am größten sei, solle so gut wie möglich auf Arbeitnehmer umgelegt werden können.

IV-Fritz gegen zu strikte Vorgaben für individuelle Lebensentwürfe

In Sachen Flexibilisierung habe Österreich Nachholbedarf, konstatierte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Dkfm. Lorenz Fritz. Während in Österreich erst zwei Prozent der männlichen Arbeitnehmer in Teilzeit arbeiten, seien es in den Niederlande schon 17 %. Bei Arbeitnehmerinnen betrage dieser Anteil gar schon zwei Drittel.

Die Wirtschaft brauche nichts verordnet, sagte Fritz. Weder vorgegebene Gesetze noch Kollektivverträge könnten auf die individuellen Lebensentwürfe des einzelnen Arbeitnehmers so eingehen, daß er oder sie die individuellen Bedürfnisse erfüllen könne. Kritik äußerte Fritz am Ergebnis des EU- Beschäftigungsgipfels von Luxemburg. Im Schlußpapier finde sich kein Wort über Mobilzeit, "wahrscheinlich ein Tausch dafür, daß auch über Arbeitszeitverkürzung nichts drinnensteht."

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