Scharfe Kritik am Luxemburger Beschäftigungsgipfel

Europäische Handwerksverbände verlieren die Geduld Farnleitner: "Sozialer Dialog ist Job-Killer-Union"

Wien (PWK) - Scharfe Kritik am Luxemburger Beschäftigungsgipfel übte Jan Kaminga, Präsident der Europäischen Vereinigung des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe (UEAPME) heute anläßlich der dritten Handwerkskonferenz in Mailand. "Wie kann man einen Beschäftigungsgipfel vorbereiten, ohne die Gruppe zu berücksichtigen, die die meisten Arbeitplätze schafft, nämlich die kleinen und mittleren Betriebe (KMU)?" Kaminga wies darauf hin, daß 99,9 Prozent aller Unternehmen in der EU Handwerksbetriebe, kleine oder mittlere Unternehmen sind. 92 Prozent haben weniger als zehn Angestellte. In den letzten zehn Jahren haben die Großbetriebe jährlich 200.000 Beschäftigte abgebaut, während die KMU 250.000 neue Jobs geschaffen haben. Kaminga: "Wie ist es dann möglich, daß die Europäische Kommission ihre Politik noch immer an den großen Industriebetrieben orientiert und nicht an jenen Betrieben, die der Schlüssel für Stabilität, Beschäftigung und wirtschaftliches Wachstum in Europa sind. Offensichtlich haben die Politiker noch immer kein klares Bild von der Geschäftswelt der kleineren und mittleren Betriebe." ****

Schlichtweg skandalös bezeichnete Kaminga die Tatsache, daß die UEAPME nicht in die Vorbereitungen zum Luxemburger Beschäftigungsgipfel eingebunden wurde. Damit könnte der Gipfel viel an Glaubwürdigkeit verlieren. Noch schlimmer sei es jedoch, wenn bei diesem Beschäftigungsgipfel kein Ergebnis erzielt werde, denn dann stehe die Glaubwürdigkeit von Europa insgesamt auf dem Spiel. Es sei eine Schande, daß für die größte Unternehmergruppe in Europa die kleinste Generaldirektion in der Europäischen Kommission mit dem geringsten Budget zuständig ist.

Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner bezeichnete den "Sozialen Dialog" (das Sozialpartnergremium der Europäischen Kommission, das aus Vertretern aus Industrie, öffentlicher Wirtschaft und Gewerkschaft besteht) als "Job-Killer-Union", da dieses Gremium eine gemeinsame Stellungnahme für den Beschäftigungsgipfel ohne Beteiligung der Klein- und Mittelbetriebe ausgearbeitet hat. In den "Sozialen Dialog" müssen endlich auch jene Gruppen einbezogen werden, die Jobs schaffen. Farnleitner wies darauf hin, daß die niedrige Jugendarbeitslosigkeit und die niedrige Inflation letztlich den Klein- und Mittelbetrieben zu verdanken seien. Daher dürfe man sich nicht mehr auf jene Unternehmen konzentrieren, die Arbeitsplätze abbauen, sondern auf jene, die für Beschäftigung sorgen und Steuern zahlen. "Kleinbetriebe werden am meisten kontrolliert und schikaniert, damit muß endlich Schluß sein", so Farnleitner. (Schluß) MH

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