AK Test: Fleisch vom Bauernmarkt war zur Hälfte verdorben

Für Bauernmärkte müssen gleichen Hygieneanforderungen gelten wie für den Einzelhandel

Wien (OTS) - 46 Prozent des untersuchten Frischfleisches und 80 Prozent der Fleischwaren vom Bauernmarkt waren verdorben. Der
Grund dafür ist, daß die Produkte oft bei zu hohen Temperaturen in den Vitrinen gelagert werden, und daß auch die Kühlkette von der Erzeugung bis zum Verkauf nicht lückenlos eingehalten wird. Das zeigt eine AK Erhebung auf 15 Wiener Bauernmärkten. Die AK Konsumentenschützer fordern daher strengere Bestimmungen zur Produkttemperatur und härtere Strafen. Außerdem muß für die Konsumenten klar erkennbar sein, welche Anbieter bäuerliche Direktvermarkter sind, so die AK. ****

46 Prozent des untersuchten Frischfleisches und 80 Prozent der untersuchten Fleischwaren waren nach einer konsumentenorientierten Lagerungszeit verdorben. Das Fleisch hatte einen schlechten Geruch oder schmeckte säuerlich. Das zeigt eine Erhebung der AK Konsumentenschützer vom September auf 15 Wiener Märkten. Insgesamt wurden 34 Fleischprodukte eingekauft, davon 24 Frischfleischproben (Schnitzel, Kotelett, Schopfbraten, Bauchfleisch) und 10 Proben
von Fleischwaren (Bratwurst, Blutwurst). In den Verkaufsvitirinen wurde die Lager- und die Kerntemperatur der verkauften Waren
sofort überprüft. Mit der Probenahme der mikrobiologischen und sensorischen Untersuchung wurde die Lebensmittelversuchsanstalt beauftragt, und zwar nach einer entsprechenden Lagerung, die den Konsumentenerfordernissen entspricht.

Zu hohe Temperaturen
Auf den 15 Wiener Märkten gab es insgesamt 39 Anbieter, aber nicht alle Anbieter ließen Proben entnehmen: Auf sechs Märkten hatten die AK Tester bei allen acht Anbietern kein Glück. Bei den restlichen neun Märkten verweigerten zehn Anbieter, bei 21 konnten die AK Tester schließlich Proben ankaufen.
Die Kern- und die Lufttemperatur in der Vitrine wurde sofort an
Ort und Stelle gemessen. Dabei zeigte sich, daß die Kerntemperatur nur bei 2 (6 Prozent) der 34 Fleischprodukte weniger als plus vier Grad Celsius betrug. Die Lufttemperatur in der Verkaufsvitrine lag bei 19 Waren (56 Prozent) unter plus vier Grad Celsius.

Ähnliche Ergebnisse brachte die AK Untersuchung im Sommer bei vorverpacktem und offenem Fleisch in Supermärkten und Fachgeschäften: Bei zehn Prozent der vorverpackten Ware lag die Kerntemperatur unter vier Grad Celsius, während die Lufttemperatur bei 90 Prozent weniger als vier Grad ausmachte. Bei den offen abgegebenen Produkten war die Kerntemperatur bei 22 Prozent, die Lufttemperatur bei 84 Prozent der Fälle unter vier Grad. Hygieneverordnung muß auch Kerntemperaturen berücksichtigen
In der neu zu erstellenden Hygieneverordnung, die auch für den Handel gelten wird, sind als Lagertemperatur für Fleischwaren plus vier Grad Celsius vorgesehen, für die Kerntemperatur gibt es keine Regelung. Als Schlußfolgerung aus der AK Erhebung fordern die AK Konsumentenschützer, daß diese vorgeschriebenen Lagertemperaturen als maximale Kerntermperaturen für die Waren vorzusehen sind. Außerdem muß die Kühlkette von der Erzeugung bis zum Verkauf lückenlos eingehalten werden.

"Zu unserem Bedauern sind keine Angaben für die Kerntemperaturen in der Verordnung vorgesehen, aber auf diese kommt es
grundsätzlich an, um eine gewünschte Produktqualität bis zum Ende der vorgesehenen Lagerung sicherstellen zu können", erklären die AK Konsumentenschützer. Denn nach dem Einkauf wurden die Frischfleischwaren zwei Tage im Kühlschrank aufbewahrt, die Fleischwaren drei Tage bei jeweils plus 2 Grad Celsius. Das Ergebnis: 46 Prozent beim Frischfleisch und 80 Prozent bei den Fleischwaren waren als verdorben zu beanstanden.

Die AK fordert das Landwirtschaftsministerium auf, den Widerstand gegen eine allgemeine Hygieneregelung aufzugeben.

Qualität auf Bauernmärkten sicherstellen
Auf den Märkten gibt es ja einerseits bäuerliche Erzeuger, Marktfahrer oder Kaufleute. Für den Konsumenten ist das in der Regel nicht erkennbar. Die AK Konsumentenschützer könnten sich daher vorstellen, daß bäuerliche Direktvermarkter eine Identifikationsplakette mit kontrollierter Vergabe bekämen. Eine vollständige Kennzeichnung von auf Bauernmärkten verkauften Lebensmitteln ist unabdingbar. Auch zugekaufte Produkte aus nicht-bäuerlicher Erzeugung - ist aufgrund der Gewerbeordnungs-Novelle zulässig - müssen besonders kenntlich gemacht werden.

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