Schüssel: Euro stärkt Stabilität in Europa

EU-Osterweiterung - eine historische Chance für Österreich - Bildung als Standortvorteil der Zukunft

Wien (PWK) - Der Euro ist nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein politisches Dekadenprojekt, erklärte Vizekanzler Wolfgang Schüssel gestern (Montag) vor dem Club Internationale Wirtschaft in Wien. Mit der Einführung der europäischen Einheitswährung werde die Stabilität im Binnenmarkt gestärkt. Für Österreich, das ein Handelsvolumen von rund 800 Mrd. S mit dem EU-Raum abwickelt, sei dies besonders wichtig, umso mehr als auch Italien (unser zweitwichtigster Handelspartner) aller Voraussicht nach zu den ersten Euro-Ländern gehören wird. ****

Der zeitliche Zusammenfall des Euro-Projektes mit dem Sparkurs hätte bei vielen Menschen negative Emotionen hervorgerufen, so Schüssel. "Sparen wäre aber auch ohne den Euro notwendig geworden. Wir haben in der Vergangenheit über unsere Verhältnisse gelebt". Die Umfragen zeigen aber, daß die Zahl der Österreicher, die zum Euro positiv stehen, zunimmt. Gegenwärtig halten 69 Prozent der Mitbürger die Teilnahme an der WWU für wichtig. Etwa zwölf Prozent meinen, wir sollten lieber "draußen bleiben".

Die Maastricht-Kriterien sind wichtige Zielvorstellungen um in den Ländern der Eurozone ein ähnliches Wirtschaftsniveau zu garantieren, sagte Schüssel. Man könne aber ein Projekt von den Dimensionen des Euro nicht an punktgenauen Vorgaben festmachen. Man müsse voneinander lernen und dabei flexibel bleiben. Zu den wichtigsten Standortvorteilen im 21. Jahrhundert werden Erziehung und Bildung gehören. Den Stabilitätspakt hält Schüssel als Denkansatz für richtig. Die wirtschaftliche Harmonisierungspolitik müsse aber fortgesetzt werden, wobei der Steuerharmonisierung besondere Bedeutung zukommt.

Die positiven Auswirkungen des Euro werden die Risken bei weitem überwiegen, ist Schüssel überzeugt. Österreich werde dann an der europäischen Währungspolitik mitwirken können. Der Euro werde mittelfristig hinter dem Dollar eine wichtige Position auf den Weltmärkten einnehmen.

Schüssel ging auch auf die EU-Agenda 2000 ein, deren wesentliche Entscheidungen während der österreichischen EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr 1998 fallen werden. Außer der Fertigstellung des Euro-Projektes (Fixierung der Wechselkurse) sei dies vor allem der Beginn der Verhandlungen mit den EU-Beitrittskandidaten.

"Österreich erhält durch die EU-Osterweiterung eine historische Chance", sagte Schüssel. "Wir werden die EU-Randlage verlieren und können unsere klassischen Heimmärkte in Mittel- und Osteuropa wiedergewinnen". Dazu komme die besonders wichtige sicherheitspolitische Dimension der Erweiterung.
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