Industriekonjunktur wird vom Export getragen

Hochkonjunktur noch nicht in Sicht Handelsbilanzdefizit immer noch zu hoch

Wien (PWK) - Die Industriekonjunktur wird weiterhin hauptsächlich vom Export getragen. Deshalb können wir noch nicht von einer generellen Konjunkturerholung sprechen", erklärte Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie der Wirtschaftskammer Österreich, im Rahmen einer Pressekonferenz zur aktuellen Konjunktursituation der Industrie. ****

Die quartalsweise Befragung der industriellen Fachverbände zeigt für das dritte Quartal eine weitere Produktionssteigerung im Basissektor, aber auch erstmalig eine Erholung der Konjunktur in den Bereichen der technischen Verarbeitung. Da die positive Entwicklung hauptsächlich aus dem Export kommt, konnten jene Bereiche, die auf den Inlandsmarkt konzentriert sind (Glasindustrie, Bereiche der Holzverarbeitung, Nahrungs- und Genußmittel, Bekleidungs- und Bauindustrie) von der positiven Entwicklung nicht profitieren.

Während die Auftragsentwicklung in elf Fachverbänden zugenommen hat, haben in acht Bereichen kaum Veränderungen stattgefunden. Die Situation bei Stein/Keramik, aber auch in der Metallwarenindustrie ist nach wie vor äußerst unbefriedigend.

Der Exportanstieg wird durch verbesserte Wechselkurse gefördert, der Preisdruck ist aber enorm. Daher ist eine Ertragsverbesserung durch höhere Exporte kaum möglich. Der Konjunkturanstieg zieht keine nennenswerte Verbesserung des Arbeitsmarktes nach sich. Der internationale Rationalisierungsdruck läßt es nicht zu, daß der Konjunkturanstieg den Arbeitsmarkt wesentlich entlastet.

Dem geringen Importwachstum (6,4 Prozent), mangels privatem Konsum, steht ein Exportwachstum von 11,2 Prozent gegenüber. Eine Hochkonjunktur ist aber noch nicht in Sicht. Auch die Investitionstätigkeit läßt noch nicht auf einen generellen Aufschwung schließen.

"Euphorie ist daher nicht angesagt", so Lamel. Das Handelsbilanzdefizit wird zwar durch den verstärkten Export etwas reduziert, ist aber mit -4,2 Prozent des BIP (1996) immer noch viel zu hoch. Daß in der EU hinter dem Industrieland Österreich nur Griechenland und Portugal mit einem schlechteren Handelsbilanzdefizit rangieren, sei ein untragbarer Zustand.

Betrachtet man den internationalen Markt, dann hat der asiatische Konjunktur-Crash einiges in Gang gesetzt. Er treffe Österreich zwar nur sehr begrenzt, trotzdem könne Österreich keine Insel der Konjunkturseligkeit bleiben. Alles werde von der Intensität und Geschwindigkeit der Krise abhängen, stellte Prof. Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes, fest. Die USA revidierte bereits für 98 und 99 ihre Wachstumsprognosen um 0,5 bis 1 Prozent. Für Europa und daher auch Österreich könnte ein anhaltender Nachfrageausfall der asiatischen Länder von 70 bis 90 Mrd. US$ nicht ohne Folgen bleiben. "Die Frage ist: schafft es der internationale Währungsfonds, diese Wirtschaftsregion mit immerhin 500 Millionen Menschen zu stabilisieren, oder werden die Tigerstaaten den 'Elchtest' nicht bestehen", sagte Clement.

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