Bioforschung braucht Patentschutz

Österreichische Wissenschaftler plädieren für die Annahme der Biotechnologie-Patentschutzrichtlinie

Wien/Graz (OTS) - Der Patentschutz ist für Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen wichtig. Dem Wissenschaftler garantiert ein Patent den Schutz seines geistigen Eigentums, während Gesellschaft und Wissenschaft von der durch die Patentierung gewährleisteten Transparenz der Forschung profitieren. Daher plädieren die beiden Universitätsprofessoren Helmut Schwab und Erwin Heberle-Bors namens der Oesterreichischen Gesellschaft für Genetik und Gentechnik für die Annahme der europäischen Richtlinie betreffend den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen.

Gerade in den hochentwickelten Gesellschaften werden geistige Leistungen vermehrt zur Quelle gesellschaftlichen Reichtums. Voraussetzung dafür ist freilich der Patentschutz, denn ohne ihn könnte jede publizierte Erfindung von jedermann und das weltweit genutzt werden. Dadurch würden Steuergelder, die beispielsweise in die universitäre Forschung fließen, verschleudert.

Schlimmer noch: Geheimforschung würde an die Stelle öffentlicher Forschung treten, die in den letzten Jahren gefallenen Schranken zwischen universitärer und industrieller Forschung würden wieder aufgerichtet. Letztendlich könnte gar die überholte Form der Auftragsforschung mit Geheimhaltungsklauseln wieder aufleben.

Die Konsequenz daraus: Die Biotechnologie, eine wichtige Zukunftsindustrie, würde in Österreich, das auf diesem Gebiet in der EU ohnedies schon an letzter Stelle steht, gar nicht erst Fuß fassen, weil der einzelne Wissenschaftler mit leeren Händen dastünde. Denn, was für den Buchautor und Musiker das Copyright, ist für den Naturwissenschaftler das Patent: der Schutz intellektuellen Eigentums.

Zugleich macht die Patentierung eine Erfindung oeffentlich. Dadurch wird Transparenz geschaffen, die jene offene Diskussion an den Universitäten ermöglicht, die für die Wissenschaft lebensnotwendig ist. Ohne Patentschutz wäre diese Diskussionskultur gefährdet, was nahezu zwangsläufig auch gesellschaftliche Folgen hätte.

Denn gerade die Genetik und Gentechnik braucht wegen der ethischen Implikationen Transparenz und einen offenen Diskurs. Ein erzwungener Rückzug zu Geheimniskrämerei würde die Einsicht der Öffentlichkeit in genetische Forschungen stark reduzieren und die Forschergemeinschaft ständigem Mißtrauen von seiten der Öffentlichkeit und auch untereinander aussetzen.

Patente machen nur Sinn, wenn sie nach international verbindlichen Gesetzen erteilt werden. Diese beinhalten nicht nur Regelungen zum Verfahren der Patenterteilung, sondern auf der Grundlage ethischer Normen auch Vorschriften zur Einschränkung der Patentfähigkeit von Erfindungen. Es kann also nicht bedenkenlos alles patentiert werden, was erfunden wird. Vielmehr existiert ein wirksamer Schutz vor ethisch nicht tragbaren technischen Entwicklungen. Dieser ist insbesondere auch für die Gebiete der Gentechnik und Reproduktionsbiologie wichtig, wo laufend neü Verfahren entwickelt werden, die Implikationen ethischer Natur enthalten.

Die im Europäischen Parlament in erster Lesung verabschiedete Patentrichtlinie ist das Produkt intensiver oeffentlicher Auseinandersetzung in den EU-Mitgliedstaaten und trägt diesen neuen Entwicklungen Rechnung. Wir, österreichische Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Genetik und Gentechnik tätig sind, plädieren daher für die Annahme dieser Richtlinie. Gleichzeitig sind wir gerne bereit, die Diskussion um die Forderung des Gentechnik-Volksbegehrens "Kein Patent auf Leben" in aller Offenheit zu führen, um auf das im Volksbegehren zum Ausdruck gekommene Stimmungsbild im Interesse der gesamten Bevoelkerung zu antworten.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Gesellschaft für Genetik und
Gentechnik Univ. Prof. Dr. Erwin Heberle-Bors, Tel.: 01-79515-4112
Univ. Prof. Dr. Helmut Schwab, Tel.: 0316-873-8434

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