Ärztekammer weist Rechnungshof-Kritik zurück

Neumann: "Vorwürfe gehen ins Leere"

Wien (OTS) - Scharf zurückgewiesen hat der Präsident der Wiener Ärztekammer, Prim. Dr. Michael Neumann, die jüngste Kritik des Rechnungshofs an den Dienstzeiten und Nebenbeschäftigungen von Primarärzten. Nach derzeitiger Rechtslage sei es weder verboten noch in irgendeiner Form moralisch "anrüchig", als Vorstand einer Spitalsabteilung auch noch eine Ordination zu führen, sagte Neumann. Solange "leitende Top-Mediziner" in der Dienstklasse VII. des Gehaltsschemas weniger verdienten als "der dienstälteste Unteraktenträger des Rechnungshofs" (Neumann), solange werde man Primarärzten auch nicht verbieten können, Arztpraxen zu führen.****

Auch die Kritik an den Dienstzeiten gehe ins Leere. Neumann:
"Primarärzte haben laut Gesetz eine Kernarbeitszeit zwischen 8 und 12 Uhr sowie eine Gesamtarbeitszeit von 40 Stunden. Diese 40-Stunden-Verpflichtung ist für uns Primarärzte auch unbestritten und wird auch von allen eingehalten." Ob nun ein Arzt in seiner Freizeit Tennis spiele oder lieber nebenbei eine Ordination betreibe, müsse dem Arzt selbst überlassen bleiben. "Gerade die vom Rechnungshof errechnete Zahl von 40 Prozent Primarärzten mit Kassenpraxis zeigt deutlich den diesbezüglichen Wert bei der ambulanten Gesundheitsversorgung für die Wiener Bevölkerung", betonte Neumann.

Er, Neumann, werde jedenfalls solange nicht über das Thema Nebenbeschäftigung von Primarärzten diskutieren, solange nicht eine leistungsgerechte Honorierung für leitende Ärzte in den Wiener Spitälern eingeführt werde.

Ähnlich argumentiert auch der Obmann des Primarärztekollegiums aller Wiener Krankenanstalten, Prim. Dr. Robert Fischer, der vor allem die rechtliche Situation seitens des Rechtsträgers heftig kritisiert. Fischer zitiert den Fall eines Wiener Radiologen, der sich als Abteilungsvorstand mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert sah und strafversetzt wurde. Er gewann alle Instanzen und war damit völlig rehabilitiert. Primarärzte-Sprecher Fischer:
"Sein Primariat wurde trotzdem neu ausgeschrieben! Für den Kollegen eine Katastrophe. Dieser Kollege hatte nämlich keine Praxis und wird sich jetzt wohl denken: 'Hätte ich nur nebenbei eine Praxis geführt'." (hpp)

Rückfragen & Kontakt:

Telefon 515 01/223

Ärztekammer für Wien – Pressestelle

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW/OTS