Trendwende am Lehrstellenmarkt gibt Wirtschaft recht

Weitere Reformschritte notwendig - Kostenentlastung und bessere rechtliche Rahmenbedingungen vordringlich

Wien (PWK) - "Die Wirtschaft hat sich nicht von der Hysterie der Politik anstecken lassen und stets darauf verwiesen, daß sich in einer Marktwirtschaft Angebot und Nachfrage nicht nach Politikerappellen richten, sondern daß am Lehrstellenmarkt der Bedarf der Betriebe an Nachwuchskräften, ihre Möglichkeiten zur Ausbildung und die ihnen gebotenen Rahmenbedingungen entscheiden", stellt Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, fest. ****

Wenn jetzt ,der Erfolg viele Väter" hat, muß festgehalten werden, daß es zu mehr als 95 Prozent die österreichischen Unternehmen sind, die Lehrplätze anbieten und nicht die Bundesregierung, der ÖGB oder wer auch immer sich jetzt den Erfolg zuschreiben möchte. "Im Gegenteil - weder hat die Regierung ihre Versprechungen voll eingehalten, die Lehrlingsausbildung zu entbürokratisieren und den Betrieben leichter zu machen, noch haben die Arbeitnehmervertretungen Bereitschaft gezeigt, über ihren ideologischen Schatten zu springen", so Piskaty. Nach wie vor verhindert der Einspruch der Arbeitnehmer einen Abbau der zahlreichen bürokratischen Reglementierungen der Ausbildung, wie sie zB das Berufsausbildungsgesetz enthält. Das Stichwort vom ,pragmatisierten Lehrling" mag in diesem Fall genügen.

,Die Wirtschaft ist mit dem Erreichten keineswegs zufrieden und muß auf weitere Reformschritte drängen", fordert Piskaty. Die Unternehmen haben der Regierung mit ihrem Verhalten heuer einen Scheck auf die Zukunft ausgestellt und erwarten mit Recht, daß grundlegende Anliegen in Richtung weiterer Kostenentlastung für die Ausbildungsbetriebe, wie keine Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit bzw Steuererleichterungen verwirklicht werden. Ebenso sind Rechtsreformen, insbesondere in Richtung eines sozial verträglichen Abbaus der quasi Pragmatisierung von Lehrlingen notwendig. Daneben fehlt in Österreich auch noch ein wichtiges Element, das für die Jugendbeschäftigung immer bedeutender wird: ein Instrumentarium für jene Jugendlichen, die zumindest zum Zeitpunkt des Pflichtschulabschlusses nicht ,lehrvertragsreif" sind. Hier gibt es gute Modelle mit einer ,Anlehre" in einzelnen Bundesländern, die bundesweit realisiert werden sollten. Wichtig dabei ist, daß der spätere Anschluß an ein reguläres Lehrverhältnis nicht verbaut wird.

Mit Empörung reagieren Betriebe auf umfassende finanzielle hoch dotierte Förderungsmaßnahmen für Lehrwerkstätten und außerbetriebliche Ausbildungseinrichtungen, die vielfach auf der Basis eines bloß behaupteten Bedarfs ,aus dem Boden gestampft" werden. Tatsächlich zeigt sich hier ein gut geplantes Zusammenspiel zwischen dem AMS und ÖGB, wobei trotz aller verbalen Bekenntnisse zur Lehrlingsausbildung augenscheinlich Systemänderungen vorbereitet werden sollen. Wenn das AMS heuer 1,4 Mrd S für spezielle Förderungsmaßnahmen im Lehrstellenbereich auswirft, muß es darüber auch Rechenschaft legen. Die Wirtschaft verlangt konkrete Begleituntersuchungen über die Effizienz des eingesetzten Geldes, das letztlich von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam aufgebracht werden muß.

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Dr. Georg Piskaty

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