Verkehrsbehinderung ist nicht Verkehrsverminderung

Überleben der Städte durch nachfragegerechte Verkehrsinfra- struktur u. Einsatz von umweltfreundlichen Fahrzeugen sichern

Wien (PWK) - Am 13. November unterschreiben die europäischen Umwelt- und Verkehrsminister anläßlich der Konferenz "Umwelt und Verkehr" der UNO Wirtschaftskommission in Wien einen Vertrag, mit dem Ziel, den Individualverkehr in den Ortskernen weitgehend zu beschränken. Nach dreijähriger Vorbereitung des Tagungskomitees wird dieser Text heute, am 11.11.1997, endgültig abgesegnet, obwohl die Wirtschaft wiederholt auf die damit verbundenen Probleme hingewiesen hat. ****

"Das Verdrängen des automobilen Verkehrs aus der Stadt ist eng mit dem Absterben der Zentren verknüpft", kritisiert Heinz Havelka, Vorsteher des Bundesgremiums des Fahrzeughandels. Einseitige Radikalmaßnahmen, wie Umleitungen, Busspuren, Einbahnen, Schwellen und fehlende Garagen- bzw. Parkplätze erschweren und hemmen den täglichen Wirtschafts- und Einkaufsverkehr und führen dazu, daß in den alten Zentren immer mehr Unternehmen sterben oder an die Peripherie übersiedeln. Um dieser dramatischen Entwicklung entgegenzuwirken und die individuelle Mobilität auch im Zentrum zu erhalten, müsse, so Havelka, der Wirtschafts- und Einkaufsverkehr bei den städtischen Planungskonzepten berücksichtigt werden. Für eine vernünftige und zukunftsweisende städtische Verkehrspolitik stellt Havelka acht Vorrangregeln auf:

Freie Mobilität mit Vernunft
Mitsprache der Wirtschaft / der Autofahrer bei der Verkehrsplanung

Durchzugsverkehr kanalisieren, in Verkehrsleitsysteme investieren

Errichtung notwendiger Umfahrungen
Realistisches Park & Ride - System
Abbau von künstlichen Verkehrshindernissen
Schluß mit der sinnlosen Parkplatzvernichtung
Ausreichende Ladezonen für gesicherte Nahversorgung

Im Stadtverkehr werden mehr als 50 Prozent des Verbrauchs, des CO2-Ausstoßes und der Schadstoffe durch stop-and-go, Stau, Umwegfahren und Parkplatzsuche verursacht. "Die Verkehrsflächen der Zentren dürfen nicht als Dauerparkplätze für Anwohner mißbraucht werden. Vielmehr müssen sie für den Personenkreis verfügbar sein, der in der Stadt seinen Geschäften nachgeht, dort einkaufen oder einkehren will", bekräftigt Ernst Fiala, Professor an der Technischen Universität Berlin, in seinem Gastreferat. Deshalb müßten, so Fiala, neue Verkehrsflächen geschaffen werden: Parkplätze für die in der Stadt Wohnenden bzw. Beschäftigten und ausreichende Fahrflächen, die einen fließenden Verkehr ohne dauernde Überlastung ermöglichen. Auch wenn das Anlegen von zusätzlichen Park- und Fahrflächen aufwendig und langwierig sei, müsse diese Lösungsmöglichkeit aufgegriffen werden. "Angebot und Nachfrage müssen zur Deckung gebracht werden, wenn die Wirtschaft einer Stadt intakt bleiben und zugleich die ökologischen Probleme gelöst werden sollen", betont Fiala.

Während die offizielle österreichische Verkehrspolitik nach wie vor an dem verhängnisvollen Motto "Vermeiden-Verlagern-Vermindern" festhält und der "City-Tod" ungehindert voranschreitet, hat die Wirtschaft ein Positiv-Beispiel in Bad Ischl gefunden. "Mit funktionsgerechter Flächenwidmung und Raumordnung sowie 'Verkehrsdesign statt Schilderwald' ist es uns gelungen eine gesunde Stadt zu erhalten", berichtet der Vorsteher des Fachverbandes für die Beförderungsgewerbe mit PKW, Michael Jürgen Pammesberger, Stadtrat für Wirtschaft-Tourismus und Marktwesen in Bad Ischl. Die besondere Herausforderung, so Pammesberger, lag darin, die Interessen der Wohnbevölkerung mit denen des Tourismus und der Freizeitwirtschaft sowie mit den Wirtschaftsinteressen insgesamt in Einklang zu bringen.

Eine nachfragegerechte und umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur für alle Verkehrsteilnehmer und der vermehrte Einsatz von umweltschonenden Kleinfahrzeugen sichern das langfristige Überleben unserer Städte. "Unser Hauptanliegen", so Havelka, "ist die sinnvolle Durchmischung von Wohn- und Arbeitsstätten, Nahversorgern und Tourismus- und Kulturstätten". Denn: "Zu wenig Verkehr macht eine Stadt zum Museum; zuviel Verkehr macht eine Stadt kaputt. Keines von beiden wollen wir."

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