Wissen ist Macht

Wien (OTS) - Der Mensch hat als einziges Lebewesen auf der Erde
die Gabe der Vernunft, womit noch keineswegs ausgesagt ist, daß er sie stets auch vernünftig anzuwenden fähig und willens ist. Dadurch unterscheidet er sich vom reinen Instinkt oder der Evolution, die nie "unvernünftig" handeln.

Die Vernunft bringt dem Menschen bei, etwas zu lernen und das dann selbst anzuwenden; angefangen vom Kindergarten über Volks- und Mittelschule zu akademischen Studien und zur wissenschaftlichen Tätigkeit. Wenn man dann etwas weiß und deshalb auch etwas zu leisten versteht, kann man hinwiederum auch anderen etwas beibringen und dadurch eine bestimmte Macht über sie ausüben. Das ist die Aussage des Titels, in der aber auch eine gewisse Gefahr liegt. Ich möchte sie daher durch eine weitere Aussage, die meines Wissens nach von Marie von Ebner-Eschenbach stammt, ergänzen, die da lautet: "Macht ist Pflicht und Freiheit ist Veranwortlichkeit".

Damit wird das Wissen zur Pflicht und, sollte man auf dem Standpunkt der Freiheit für alle stehen, auch für die Verantwortung der Wissenden, Mächtigen in dieser Hinsicht.

In diesem Zusammenhang soll zur Erläuterung ein Beispiel angeführt werden, das die Basis des jüngsten "Skandals" österreichischer Prägung bildet: die Gentechnologie. Seit Jahren beschäftigt sich bei uns eine Reihe hervorragender Forscher auf diesem Gebiet und hat dort ausgezeichnete Ergebnisse erzielt, anerkannt vom Ausland, unbekannt im Inland. Daß man - unter anderem - mit diesen Ergebnissen auch die verschiedensten Veränderungen der Eigenschaften von Lebensmitteln erzielen kann und Lebensmittel bekanntlich lebensnotwendig sind, fühlt der Unwissende, Unmächtige instinktiv als eine persönliche Bedrohung der Grundlage seiner Lebensmöglichkeit. Die Wissenden hätten die Pflicht zur (rechtzeitigen!) Aufklärung gehabt und tragen dafür wohl im Sinne des Spruches von Ebner-Eschenbach die Verantwortung. Die goldene Pforte zur Wissenschaft muß sicher im Sinne der Freiheit gesehen werden und die Möglichkeit zum Ein- und Austreten bieten, nicht nur das Durchgehen in einer Richtung.

Die Reaktion der Unwissenden war logischerweise die Ablehnung der Gentechnik bei Nahrungsmitteln, geschürt durch solche Ansichten, die mit der Freiheit Schindluder trieben - genau das war das Fehlen der nötigen Verantwortlichkeit auf dieser Seite.

Eine Tür, die nur in einer Richtung durchschritten werden kann, bringt bei zwei Gruppen, von denen jede nur eine Richtung wünscht, eine Patt-Stellung und nichts geht mehr weiter. Mir scheint wesentlich, daß auch die Freiheit eine große Verantwortlichkeit benötigt und die Macht - mit ihr das Wissen - eben ein Pflichtgefühl.

Hier gibt es keinen Ausweg - der wäre in diesem Fall, wenn die Regeln eingehalten worden wären, auch gar nicht nötig gewesen.

Glück im Unglück dabei: andere Staaten der EU und auch weltweit sind zwar im Standpunkt der Wissenden auch nicht viel weiter, haben aber offensichtlich die Türen schon genügend weit in beide Richtungen geöffnet und finden kaum wo Steinchen des Anstoßes an der Gentechnologie. Da wir als EU-Mitglied Teil der Gesetzgebung der EU sind und als Mitgliedstaat der WTO den internationalen Handelsbedingungen entsprechen müssen, bleibt uns sowieso nichts anderes übrig als das zu tun. Wir haben uns dabei nicht an "fremdes" Recht zu halten, sondern an eine neue Dimension unserer eigenen nationalen Rechtsordnung, die für einen sachlich nicht tragfähigen Aktionismus keine Extrawürste brät. Und das ist gut so! Auch wenn es unbequem ist.

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