Cipra: Will Europarat die Alpen "kaputtentwickeln"?

Cipra Österreich (Internationale Alpenschutzkommission): Alpenkonvention bei Verhandlungen um europaweite "Berggebiets-Konvention" berücksichtigen!

Wien (OTS) - Von heute, 5.11. an verhandeln Delegationen aus ganz Europa, darunter auch Österreich, am Sitz des Europarates in Straßburg/Frankreich über die Umwandlung der seit 1994 vorliegenden "Charta der Bergregionen" in eine verbindliche Konvention. Ziel ist es, europaweit verpflichtende Prinzipien einer Politik für die Berggebiete zu verankern.

Transitverkehr fördern, Alpenkonvention aufweichen?

Eine positive Initiative, stünde die "Charta der Bergregionen" nicht in einigen Punkten massiv im Widerspruch zur Politik Österreichs und der Bundesländer. So soll der Transitverkehr gefördert werden. Vom nötigen Schutz der sensiblen Gebirgsregionen Europas ist hingegen kaum die Rede. Im Mittelpunkt steht die Absicht, die angeblich "zurückgebliebenen" Bergregionen beschleunigt zu entwickeln. Der Hintergrund ist klar: Die Initiative für die Charta kam aus Südwesteuropa (v.a. Frankreich), wo die Berggebiete politisch vernachlässigt und entwicklungsbedürftig sind.

Für die Alpenstaaten ist Vorsicht geboten, so Cipra Österreich:
Erklärtes Ziel des Europarates ist es nämlich , die EU von dieser einseitigen Haltung zu überzeugen. Schon heute haben die Politiken der EU oft nachteilige Auswirkungen auf den Alpenraum. Eine EU-Berggebietspolitik, die pauschal von wirtschaftlicher Benachteiligung und Zurückgebliebenheit ausgeht und deshalb noch mehr Entwicklung fördert, wäre besonders für den weithin intensiv genutzten Alpenraum eine ökologische Katastophe.

Alpenkonvention: Grundlage für Entwicklung der Alpen im 21. Jahrhundert

Nicht umsonst haben sich die Alpenstaaten (mit Österreich an vorderster Front) bereits 1991 mit der EU auf ein ausgewogenes Paket für Schutz und Entwicklung der Alpen geeinigt, nämlich die Alpenkonvention ist inzwischen in fünf Alpenstaaten in Kraft und auch von der EU seit 1996 ratifiziert. Mit ihr konnten vielbeschworene Ziele der Landes- und Bundespolitik, wie ein Senken der Belastungen aus dem Verkehr, auf eine internationale Ebene gehoben werden.

Cipra Österreich, Dachorganisation der mit dem Alpenschutz befaßten Vereine und Verbände Österreichs, richtet daher folgende Forderungen an die Verhandler und die österreichische Politik:

* Die Alpenkonvention, deren klare Zielsetzungen für den Schutz der Alpen auch in Österreich manchen ein Dorn im Auge sind, darf nicht über eine Hintertür unterlaufen werden. Die vom Europarat geforderte nachträgliche Aufweichung der Alpenkonvention kommt nicht in Frage!

* Vor allem ist das Ziel der Charta der Bergregionen, den Transitverkehr in den Bergregionen zu fördern, grob im Widerspruch mit Grundfesten der Verkehrs- und Umweltpolitik Österreichs. Einer solchen Zielsetzung kann und darf Österreich daher nicht zustimmen. Nichts brauchen die Alpen und ihre Bevölkerung weniger als noch mehr Verkehr auf noch mehr Transitachsen!

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Cipra Österreich
Mag. Reinhard Gschöpf
Tel.: (01) 40113/34

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