Stummvoll: Verunsicherung der Sparer durch FP verantwortungslos

Wirtschaftskammer-General kritisiert falsche Argumente der FP gegen Euro - Schilling gehört zu preisstabilsten Währungen

Wien (PWK) - "Mit einem demagogischen Aktionismus und falschen Argumenten versucht die FPÖ jetzt offenkundig, Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung und bei den Sparern zu schüren, um ein bißchen politisches Kleingeld kassieren zu können", kritisiert Günter Stummvoll, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, die Anti-Euro-Propaganda der Freiheitlichen am Weltspartag als "verantwortungslos". ****

So sei etwa die Behauptung, der Übergang zum Euro sei mit Vermögensverlusten für die österreichischen Sparer verbunden, schlicht irreführend. Beim Übergang vom Schilling zum Euro werden nämlich sowohl alle Schillingpreise als auch Schillingforderungen und Schillingverpflichtungen durch ein und denselben Umrechnungskurs dividiert. Es wird also nur umgerechnet, wobei kein Wertverlust entstehen kann.

Von besonderer Unkenntnis, so Stummvoll, zeugt die Behauptung, daß der Schilling bis zum 1. Jänner 2002 gegenüber dem Euro an Wert verlieren werde. Dies ist völlig unmöglich, da der Schilling/Euro-Umrechnungsfaktor - ebenso wie die Euro-Umrechnungsfaktoren aller Währungen der an der dritten Stufe der Währungsunion teilnehmenden Staaten - mit Jahreswechsel 1998/99 unwiderruflich festgelegt wird.

Und was die von der FPÖ - als Argument gegen die Währungsunion -vorgebrachten Wechselkursschwankungen des Schillings betrifft, so ist auch dagegen einiges zu sagen. So haben der unterbewertete Dollar oder die Abwertung der Lira oder des Franc Österreich in den 80er und 90er Jahren viele Arbeitsplätze in der exportorientierten Wirtschaft gekostet, verweist Stummvoll auf eine Analyse (Monatsberichte 8/1997) des Wirtschaftsforschungsinsituts, wo es heißt: "Seit der Aufgabe des Systems der festen Wechselkurse verändern Wechselkursfluktuationen die Wettbewerbssituation einzelner Länder kurzfristig immer wieder stark. Der Schilling hatte schon zwischen 1982 und 1987 rund 10,6 Prozent an Wert gewonnen und wertete durch den Wertverlust der Währungen einiger wichtiger Handelspartner im Gefolge der Dollarschwäche und der Turbulenzen im EWS in den Jahren 1992 bis 1995 nochmals effektiv um 6,4 Prozent auf. (...) Durch die Abschwächung des Lohn- und Lohnnebenkostenauftriebs und eine deutliche Aufwertung der Währungen einiger wichtiger Handelspartner gegenüber dem Schilling verbesserte sich 1996 die internationale Wettbewerbsposition der österreichischen Industrie."

Während also einerseits durch die Aufwertung bestimmter ausländischer Währungen gegenüber dem Schilling Arbeitsplätze in Österreich gesichert wurden, ist gleichzeitig die Inflation in Österreich auf historische Tiefstwerte gesunken. So war Österreich mit einer Inflationsrate von 1,1 Prozent im September 1997 das preisstabilste Land in der EU. Stummvoll: "Grundsätzlich sind die Wechselkurse heute näher an ihren langfristigen Gleichgewichtswerten als in der Vergangenheit. Entscheidend für den Sparer sind aber nicht kurzfristige Währungsschwankungen. Dies mag vielleicht für die Kosten eines Amerikaaufenthalts eine Rolle spielen, nicht aber für mittel-bis langfristige Anlageentscheidungen. Entscheidend für den Sparer ist, was er sich für den Schilling kaufen kann, entscheidend ist die Teuerungsrate - das macht die innere Härte des Schillings aus, nicht kurzfristige Währungsschwankungen nach außen."

Aber selbst dann, wenn man, so Stummvoll, die Behauptung der FPÖ ernst nehmen würde, wonach die österreichischen Sparer durch eine Abwertung des Schilling gegenüber dem Euro bis 2002 über 222 Milliarden Schilling verlieren würden, so stellt sich in Folge die Frage, warum von der FPÖ gegen die Währungsunion immer vorgebracht wird, dies sei die Umstellung des harten Schilling auf den weichen Euro. Stummvoll: "Die merkwürdigen Rechenbeispiele der FPÖ beweisen jedenfalls das Gegenteil. Dann müßte, um in der FPÖ-Logik zu bleiben, der Schilling weich und der Euro hart sein. Und dann frage ich, warum die FPÖ gegen einen harten Euro ist. Aber das weiß offenkundig die FPÖ selbst nicht."
(Schluß) RH

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