Jugendwohlfahrt steht vor neuen Herausforderungen

Wagner: Sparen am falschen Fleck löst keine Probleme

St.Pölten (NLK) - Der Grundsatz "Vorbeugen ist besser als
Heilen" solle auch in der Jugendwohlfahrt noch mehr als bisher Anwendung finden. Dafür sprach sich heute Landesrat Ewald Wagner aus, der auf die Ergebnisse einer Tagung zu diesem Thema und auf eine Broschüre verwies, die eine Bedarfsanalyse und Vorschläge für eine neue Organisationsstruktur dieser Einrichtung bringt. "Sparen zur falschen Zeit bei der falschen Gruppe, also etwa bei der
Jugend, wird - auf lange Sicht betrachtet - vorhan-dene Probleme noch verstärken. Auch hier gilt, daß präventive Maßnahmen besser sind als ein Eingreifen, wenn es sozusagen schon passiert ist. Dafür braucht man aber genug qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vor Ort und im ganzen Land bei Problemen eingreifen. Jede einzelne Sozialarbeiterin, jeder einzelne Sozi-alarbeiter kann durch rechtzeitiges, fachkundiges und engagiertes Handeln beispiels-weise dazu beitragen, daß Probleme innerhalb einer Familie gelöst werden und ein Kind nicht in einem Heim untergebracht werden muß, was nicht nur für die Betroffe-nen ein schwerwiegender Einschnitt ist, sondern auch der öffentlichen Hand viel mehr Geld kostet." Jetzt sollen, so Wagner, durch ein "new public management" und eine wirksamere Organisationsstruktur die vorhandenen Personal-Ressourcen optimal ein-gesetzt werden. Auch
sei die Zusammenarbeit mit privaten Organisationen zu verbes-sern. Kein Zweifel könne freilich daran bestehen, daß die Jugendwohlfahrt auch in Zukunft eine Aufgabe der öffentlichen Hand sein solle, die dafür entsprechende Mittel bereitstellen müsse. Wagner: "Straff organisieren ist richtig und wichtig. Bei der Ju-gendwohlfahrt den Sparstift ansetzen zu wollen, hätte aber fatale Folgen. Im Gegen-teil: Ich werde mich dafür einsetzen, daß die Jugendwohlfahrt personell und finanziell verstärkt wird."

Wie Ulrike Mayr von der Abteilung Jugendwohlfahrt des Amtes der NÖ Landesregie-rung, die Autorin der Broschüre "Jugendwohlfahrt. Analyse - Planung", ausführt, steht man heute vor großen Herausforderungen: Die Zahl der Scheidungen oder Trennun-gen und damit jene der betroffenen Jugendlichen und Kinder nimmt immer
mehr zu. Überschuldung, Arbeitslosigkeit, teure Wohnungen, die Probleme, wenn Berufstätige Kinder allein erziehen müssen, seien einige der sozialen "Krisenfelder", die sich in Zukunft noch stärker als bisher auf die Arbeit der Jugendwohlfahrt auswirken werden. Zudem werde, was natürlich zu begrüßen sei, die Öffentlichkeit gegenüber Gewalt und sexueller Ausbeutung immer sensibler, wodurch Kriseninterventionen und eine Betreuung von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Familie öfter als bisher not-wendig würden. Ein schwerwiegendes Problem, das vorbeugende Maßnahmen not-wendig macht, sieht Mayr auch im sinkenden Einstiegsalter beim Mißbrauch von Al-kohol und beim Drogenkonsum. Dazu komme, daß die Zahl der Pflegeeltern abnimmt, auch deshalb, weil die zu betreuenden Kinder immer "schwieriger" werden. Dagegen seien in den letzten Jahren die personellen und finanziellen Ressourcen spürbar knapper geworden, "obwohl sich gezeigt hat, daß prophylaktische und unterstützende Angebote Kosten reduzieren helfen".

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