Wiener Internationaler Anästhesiekongreß in Wien 1

Der Anästhesist als Schmerztherapeut

Wien (OTS) - "Der Anästhesist in seiner Funktion als Schmerztherapeut muß mehr in das Bewußtsein der Spitalsmanager, der Krankenkassen und nicht zuletzt auch in das Bewußtsein der Patienten gebracht werden. Der Anästhesist ist jener Arzt, der bereits heute die Hauptlast der Therapie von akuten und chronischen Schmerzen trägt." Dennoch fehlen in Österreich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Niederlassung von Anästhesisten als Schmerztherapeuten, kritisierte der Leiter der Abteilung B für Allgemeine Anästhesie und Intensivmedizin der Universitätskliniken im Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Kress, anläßlich des Internationalen Wiener Kongresses vom 28. bis 31. Oktober 1997 im Austria Center Vienna.****

An diesem größten österreichischen Anästhesiekongreß werden mehr als 2500 Anästhesisten und Intensivmediziner teilnehmen. Zielgruppe sind neben Ärzten auch das Pflegepersonal sowie weitere Berufsgruppen, die mit Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin sowie Schmerzbehandlung zu tun haben.

Kress: "Was die freie Niederlassung von Schmerztherapeuten betrifft, sind uns die deutschen Kollegen weit voraus." So werde zum Beispiel in Deutschland eine flächendeckende ambulante Versorgung chronischer Schmerzpatienten durch Schmerzspezialisten sichergestellt. Nicht zuletzt aufgrund dieses Versorgungsmankos in Österreich sei auch eines der Hauptthemen des Kongresses "das verbriefte Recht des Patienten auf ausreichende Schmerzbehandlung" (Kress).

Eine Schwerpunktsitzung widmet sich daher speziell dem Thema "Schmerztherapie". Internationale Experten aus den USA, aus Schweden, Deutschland und Österreich diskutieren aktuelle Fragen der Schmerzforschung und Schmerzbehandlung ebenso wie ihre Umsetzung in die tägliche Praxis.

"Comfort" des Patienten Rechnung tragen

Der Anästhesist trage - ganz im Sinne des Kongreßmottos "Safety, Comfort, Synergy" - als Schmerztherapeut entscheidend zum "Comfort" des Patienten bei, sei es in der Akutbehandlung perioperativer Schmerzen oder bei der Dauerbehandlung chronischer Schmerzen wie Krebsschmerzen, Kopf- und Gesichtsschmerzen, muskuloskelettale Schmerzen, Phantomschmerzen, Neuralgien, et cetera. Kress:
"Sichtbarster Erfolg unseres Engagements sind die Konzepte und die praktische Umsetzung sogenannter Akutschmerzdienste in den österreichischen Spitälern."

Dennoch bestehe auch im stationären Bereich ein erheblicher Nachholbedarf, der nicht dem momentanen Sparpaket zum Opfer fallen dürfe. Betten müßten für schmerztherapeutisch-anästhesiologische Behandlungen bereitgestellt werden, um auch Patienten in Österreich mit aufwendigen, modernen Therapieverfahren behandeln zu können, betonte Kress.

Das Wiener AKH sei jedenfalls bestens gerüstet. Kress: "Die Allgemeine Anästhesie und Intensivmedizin B ist mit 18.000 Behandlungen jährlich die größte Schmerzambulanz deutschsprachiger Universitätskliniken und betreibt in Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen am AKH praktisch das gesamte Spektrum therapeutischer Möglichkeiten, einschließlich eines 24-Stunden-Akutschmerzendienstes für die perioperative Versorgung." (Forts.)

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