Bartenstein unterzeichnet am Sonntag Vertrag für Nationalpark Thayatal

Zweiter grenzüberschreitender Nationalpark Österreichs

Wien (OTS) - Mit der Vertragsunterzeichnung für die Errichtung
und Erhaltung des Nationalparkes Thayatal übermorgen, Sonntag, durch Umweltminister Dr. Martin Bartenstein in Hardegg wird nach
den Projekten "Donau-Auen" und "Oberösterreichische Kalkalpen" seitens des Bundes die dritte Nationalparkvereinbarung nach
Artikel 15a des Bundesverfassungsgesetzes innerhalb eines Jahres unterzeichnet. Dadurch kann der zweite grenzüberschreitende Nationalpark Österreichs entstehen, der "International-Park Thayatal - Narodny Park Podyji" mit einer Gesamtfläche von letztlich rund 8.000 Hektar.

Die Feierlichkeiten in Hardegg beginnen um 13.00 Uhr beim
Gasthof Hammerschmiede. Um 13.30 unterzeichnen Umweltminister Bartenstein, Finanzminister Rudolf Edlinger und Landeshauptmann
Dr. Erwin Pröll den Errichtungsvertrag.

Thayatal als Refugium für 700 Pflanzen- und 80 Brutvogelarten

Das Thayatal zählt zu den letzten naturnahen Tallandschaften Mitteleuropas und hebt sich von anderen Nationalparken durch das geomorphologische Phänomen eines ausgeprägten Umlaufberges ab, wie er bisher in keinem europäischen Nationalpark geschützt ist. Auch wegen der Vielzahl an Lebensräumen und des großen Artenreichtums -im Thayatal wurden über 700 Pflanzenarten und über 80 Brutvogelarten, darunter der so seltene Schwarzstorch,
nachgewiesen - wurde das Gebiet als nationalparkwürdig
eingestuft. Hier heimische Vertreter gefährdeter Tierarten sind unter anderem der Fischotter, der Wanderfalke, der Wespenbussard, die Äskulapnatter, die Smaragdeidechse sowie mehrere Käfer- und Schmetterlingsarten, darunter der Thayatal-Apollofalter. Zu den seltenen Pflanzenarten gehören Orchideenarten wie das Kleine Knabenkraut und das Brand-Knabenkraut, die auf ebenfalls selten gewordenen Trockenrasen wachsen.

Aus raumordnungspolitischer Sicht kommt dem Nationalpark
Thayatal als wichtigem Imageträger der Region zentrale Bedeutung zu. Hardegg ist mit 80 Bewohnern und 125 Häusern Österreichs kleinste Stadt, blickt aber auf eine kulturhistorisch sehr interessante Vergangenheit zurück. Die Großgemeinde Hardegg besteht aus 9 Gemeinden und hat zusammen 1.800 Einwohner. Neben
den touristischen Attraktionen der Nationalparkregion auf österreichischer Seite (Burg Hardegg, Schloß Riegersburg, Stadt Retz, Stift Geras) sind auch Ausflugsziele auf tschechischer Seite (Burg und Stausee Vranov, Stadt Znajm) in der Regionalentwicklung von Interesse. Bereits seit Jahren liegt eine gemeinsame Rad- und Wanderkarte auf. Schon jetzt gibt es innerhalb der Region mehrere Aktivitäten, die sich die Förderung von qualitätsorientiertem Fremdenverkehr, das Marketing regionaler ökologischer Produkte sowie die Präsentation der Region in den Medien zum Ziel gesetzt haben. Direkte positive regionalwirtschaftliche Effekte durch Ausgaben der Nationalparkbesucher einerseits sowie durch Investitionen in die notwendige Nationalpark-Infrastruktur werden ebenfalls erwartet.

Kraftwerksprojekt wurde zu Fall gebracht

Der Weg zu einem österreichischen Nationalpark Thayatal war lang. In den letzten hundert Jahren drohte die Stille des
Thayatales mehrmals dem Fortschritt zum Opfer zu fallen. Um die Jahrhundertwende gab es Pläne für eine Eisenbahntrasse durch das Thayatal. Um 1930 sollte eine Bundesstraße das Thayatal durchschneiden, um den Fremdenverkehr anzukurbeln. Nach dem Anschluß Österreichs ans Deutsche Reich sollte bei Hardegg eine Staustufe errichtet werden. Anfang der achtziger Jahre plante die damalige CSSR die Errichtung eines Kraftwerks und Bewässerungssystems (Byci Skala) mit einem Stauvolumen von 100 Millionen Kubikmetern. Bürgerproteste und internationaler Widerstand brachten dieses Projekt zu Fall. Im Herbst 1984 wurde
die Bürgerinitiative zur Erhaltung des Thayatales gegründet. 1989 wurde auf österreichischer Seite das Naturschutzgebiet Thayatal errichtet, das heute etwa 770 ha im Kernbereich des Nationalparks umfaßt.

Anfang 1991 berieten Vertreter der niederösterreichischen Landesregierung, des Umweltministeriums, der Gemeinde Hardegg und der Tschechischen Republik über die Errichtung eines "International-Parks Thayatal/Podyji". Im Mai 1991 faßte die Tschechische Republik den Beschluß, auf ihrem Hoheitsgebiet den Nationalpark Podyji einzurichten. Nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie und Verabschiedung des niederösterreichischen Nationalparkgesetzes kommt es nun am 26. Oktober 1997 zur Unterzeichnung einer 15a-Vereinbarung zwischen dem Bund und dem
Land Niederösterreich zur Errichtung und Erhaltung des Nationalparkes Thayatal. Nach Aussagen von Vertretern der Welt-Naturschutz-Union (IUCN) hat er große Chancen auf internationale Anerkennung.

(Schluß)

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