Berufsförderungsinstitut Österreich: Doppelmoral der Wirtschaftskammer prolongiert

Konservative Kräfte blockieren neue Initiativen in der Lehrlingsausbildung

Wien (OTS) - Die Wirtschaftskammer prangert in einer Presseaussendung die Subventionspraxis des Arbeitsmarktservice in der Lehrlingsausbildung an. "Dies ist völlig unverständlich und zeigt einmal mehr die Doppelmoral der Wirtschaftsseite", stellt dazu der Geschäftsführer des Berufsförderungsinstitutes Österreich, Michael Sturm, in einer ersten Reaktion fest.

"Denn trotz generöser Erleichterungen für Lehrbetriebe werden seitens der Wirtschaft noch immer viel zu wenig Lehrstellen zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt deshalb hat das Berufsförderungsinstitut neue, innovative Modelle in der Lehrlingsausbildung entwickelt. Diese Modelle werden in einigen Bundesländern bereits erfolgreich umgesetzt, und das bfi leistet damit einen konstruktiven Beitrag zur Verringerung des Lehrstellenmangels. Das Arbeitsmarktservice unterstützt diese Initiativen nicht aus Jux und Tollerei", so Sturm weiter, "sondern in Einklang mit dem Lehrlingspaket der Bundesregierung." Die jüngst veröffentlichten Daten zeigen, daß die Anzahl der Lehrstellensuchenden rückläufig ist, und in diesem Zusammenhang spricht die Wirtschaftskammer selbst von einem "unbestreitbaren Erfolg" der Maßnahmen. Immerhin wendet das AMS heuer 1,1 Mrd. Schilling an Förderungen für die Jugendlichen auf, und nächstes Jahr sollen es noch mehr sein, "obwohl dies nicht die eigentliche Aufgabe des AMS ist," wie Sturm mit Nachdruck betont. Wenn die Betriebe trotz massiver finanzieller Erleichterungen trotzdem nicht gewillt sind, ausreichend Lehrlinge auszubilden, muß auch der EU-Exportschlager "Duale Berufsausbildung" zur Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit in Frage gestellt werden. Ständig neue Entlastungen für die ausbildenden Betriebe fordern, wie dies die Wirtschaftskammer tut, entzieht dem Dualen System der Berufsausbildung allmählich den Boden und macht es international unglaubwürdig. "Die Wirtschaftsseite sollte endlich ihre destruktive Haltung gegenüber neuen Modellen in der Lehrlingsausbildung, die als Ergänzung zum bestehenden System zu sehen sind, aufgeben. Vielmehr ist sie gefordert, selbst ihre Ausbildungsbereitschaft unter Beweis zu stellen und nicht der Jugend Chancen zu verbauen", stellt Sturm abschließend fest.

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