Europäisches Gastgewerbe will einheitlich reduzierten Steuersatz

Fachverbände Hotellerie und Gastronomie machen mit politischer Unterstützung Druck in Brüssel

Wien (PWK) - Die beiden gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich haben gemeinsam mit dem europäischen Gastgewerbeverband HOTREC am Wochenende in London den Startschuß für eine intensive Lobbying-Aktion zur Beibehaltung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für gastgewerbliche Leistungen in der EU gegeben. Für die Hotellerie sowie teilweise für die Gastronomie gilt in Österreich bekanntlich ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent, womit auch die indirekte Exportleistung dieses Wirtschaftszweiges anerkannt wird. ****

Tatkräftige Unterstützung erhielten die Vertreter des Gastgewerbes bei der im Rahmen der HOTREC-Generalversammlung gestarteten Initiative durch die Teilnahme prominenter österreichischer Politiker an der Tagung. Günter Stummvoll, Abg.z.NR., Mitglied des parlamentarischen Finanzausschusses und Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich sowie Prof. Ewald Nowotny, Abg.z.NR. und Vorsitzender des Finanzausschusses, ergriffen in London für die österreichischen Interessen das Wort. Nachdem ein immer größerer Teil der Entscheidungen in Brüssel, Straßburg oder Luxemburg fällt, haben bereits mehr als 100 europäische Regelungen direkte oder indirekte Auswirkungen auf das österreichische Gastgewerbe. Darunter fallen so wichtige Bereiche wie die künftige Mehrwertsteuerregelung.

Unter Federführung des zuständigen Kommissars Mario Monti arbeitet die EU-Kommission derzeit intensiv an einem Vorschlag zur Harmonisierung der Mehrwertsteuersätze bis Ende dieses Jahres. Die Umsetzung soll dann, den Plänen zufolge, bis zum Jahr 1999 erfolgen.

Nach den Vorstellungen der Kommission soll der derzeit geltende "Korridor" von 15 bis 25 Prozent für den allgemeinen Steuersatz auf 17 bis 23 Prozent eingeengt werden. Darüber hinaus sollen - und das ist für das Gastgewerbe von besonderer Bedeutung - die derzeit optional reduzierten Mehrwertsteuersätze verbindlich und auf einem einheitlichen Niveau festgeschrieben werden.

Derzeit wenden 12 von 15 EU-Mitgliedern für Beherbergungsleistungen einen unterschiedlich reduzierten Satz an. Die nationalen Interessenvertretungen verlangen daher unter Federführung der HOTREC die Einführung eines möglichst niedrigen, einheitlich ermäßigten Satzes für alle gastgewerblichen Umsätze.

Wie Generalsekretär Stummvoll betonte, trage die Anwendung eines ermäßigten Steuersatzes für Gastgewerbeleistungen sehr wesentlich zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Tourismus bei. "Jede Erhöhung dieses Wertes hätte katastrophale Auswirkungen auf diesen für die Gesamtwirtschaft so wichtigen Sektor".

Der europäische Tourismus, so Stummvoll weiter, müsse sich einer globalen Konkurrenz stellen, die nicht immer unter fairen Bedingungen antrete. Man denke nur an die verschiedenen Formen des "sozialen Dumpings". Zahlreiche Argumente sprächen daher für die Beibehaltung eines reduzierten Satzes, vor allem zur Verhinderung einer Diskriminierung des Tourismus gegenüber anderen Wirtschaftszweigen, die bessere steuerliche Möglichkeiten haben.

"In Österreich würde die Anhebung des reduzierten Satzes von 10 Prozent auf den Normalsatz von 20 Prozent eine gewaltige Bedrohung der künftigen Entwicklung des heimischen Tourismus bedeuten. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Gerade in unserem Land ist der Tourismus schließlich nicht nur Devisenbringer, sondern auch Teil des täglichen Lebens, der wichtige Infrastrukturleistungen für die einheimische Bevölkerung mit sich bringt", erklärte Stummvoll vor den Delegierten.

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Fachverband Hotellerie

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