Greenpeace-Aktion am Stephansdom: "Mensch ist nicht Gott - Stop Gen-Patente"

Allianz gegen Gen-Patente wird immer breiter

Wien (OTS) - Mit einer spektakulären Aktion am Wiener Stephansdom protestierte Greenpeace heute gegen die Pläne der EU, Patente auf Gene und Lebewesen zu erteilen. 50 Greenpeace-Aktivisten brachten am Turm in schwindelnder Höhe - 100 Meter über dem Boden - ein 100 Quadratmeter großes Transparent mit der Aufschrift "Mensch ist nicht Gott - Stop Gen-Patente" an. Greenpeace-Sprecher Matthias Schickhofer appellierte an die Parlamentsparteien den letzten EU-Entwurf für die Patent-Richtlinie "kategorisch zurückzuweisen" und Minister Farnleitner am nächsten Mittwoch im parlamentarischen Hauptausschuß mit einer ablehnenden Verhandlungsposition im EU-Ministerrat zu beauftragen.

Auf Druck der Gentech-Industrie hatte die EU-Kommission 1996 einen Entwurf für eine neue Patent-Richtlinie vorgelegt. Im Juli 1997 beschloß das EU-Parlament 66 Abänderungsanträge, die die EU-Kommission nur teilweise bis gar nicht berücksichtigte. Am 27. November soll der EU-Ministerrat nun über den Kommissionsentwurf abstimmen. Österreich wird durch Minister Farnleitner vertreten, der bis jetzt gegenüber den Vertretern des Gentechnik-Volksbegehrens dazu jede Positionierung verweigert.

Der jüngste Kommissionsentwurf vom August 1997 erlaubt Patente auf Gene sowie transgene Pflanzen und Tiere. Patente auf Klonierungsverfahren am Menschen sollen nicht umfassend verboten sein und zur Patentierung gebrachte Gene bedürfen keinerlei Ursprungsdeklaration bzw. - im Falle menschlicher Erbanlagen- keiner Einwilligung des "Spenders". In den USA gibt es dafür bereits Präzedenzfälle: Der Amerikaner John Moore etwa mußte eines Tages erfahren, daß Zellen seiner Milz nach einer Operation von Ärzten patentiert und daraus gezüchtete Zellen um 1,7 Millionen Dollar verkauft worden waren...

Die Allianz gegen Gen-Patente wird unterdessen breiter. Im Juni hatte die Kathpress gemeldet: "Kirche gegen Patentierung von gentechnisch verändertem Leben" und zitierte den Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Bischof Weber, der vor "Ideologien" warnte, "die den Menschen auf seine genetische Qualität reduzieren und den Gestaltungsplänen einzelner Firmen ausliefern". Für Weber sind "die Heiligkeit und Unantastbarkeit der Schöpfung" "Grundlagen der Haltung der Kirche".

Einem Greenpeace-Aufruf gegen Gen-Patente haben sich bislang 60 Ärzte-, Kirchen-, Behinderten-, Bauern-, Tierschutz- und Umweltorganisationen sowie prominente Geistliche wie Bischof Iby angeschlossen. Auch Ärztekammerpräsident Prim. Dr. Neumann lehnte Gen-Patente ab und der "Verein für Konsumenteninformation" sagte Greenpeace "vorbehaltlose Unterstützung" zu.

"Mensch ist nicht Gott. Der Mensch hat Gene, Tiere und Pflanzen nicht erfunden, also kann er sie auch nicht patentieren," empörte sich die ausgebildete Theologin Ulrike Schelander, Geschäftsführerin von Greenpeace Österreich. "Als Christin muß ich Patente auf Lebewesen und Gene ablehnen. Und ich erwarte mir von Parlament und Bundesregierung, daß sie in dieser enorm wichtigen Gewissensfrage Stehvermögen gegenüber den Geschäfts-Interessen der Gentech-Industrie beweisen und den EU-Plänen eine klare Abfuhr erteilen!"

Weitere Informationen: Matthias Schickhofer, Greenpeace Österreich, Tel.: 0664-33 86 503 (am Aktionsort) Mag. Susanne Fromwald, Greenpeace Österreich, Tel.: 0663-92 08 162 (am Aktionsort) Gertraud Findl, Greenpeace Österreich, Tel.: 01-713 00 31-28

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP/OTS