Strommarkt: Industriekunden gegen Scheinliberalisierung

Kessler: Wettbewerb laut Strombinnenmarkt-Richtlinie der EU in Österreich ehestbaldig zu ermöglichen

Wien (PWK) - Der Strommarkt stehe in Europa vor einer historischen Weichenstellung, stellte der Obmann der Bundessektion Industrie, Heinz Kessler, anläßlich der Veröffentlichung der Studie 'Industrieperspektiven für einen liberalisierten Strommarkt' fest. "Auch in Österreich muß bis spätestens Anfang 1999 die Strombinnenmarkt-Richtlinie der EU umgesetzt werden. Die Industrie erwarte daher vom Wirtschaftsminister ehestens die Vorlage eines Gesetzesentwurfs, mit dem Wettbewerb unter den Anbietern von Elektrizität tatsächlich möglich wird. Es geht auch darum, für Investitionen wieder berechenbare Rahmenbedingungen herzustellen." ****

Die Studie des international tätigen Beratungsunternehmens Arthur D. Little hat die Wichtigkeit dieses Themas für den Industriestandort Österreich einmal mehr nachgewiesen. Sie zeigt auch, daß die österreichischen Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) gut beraten wären, sich bereits jetzt auf die neue Situation einzustellen. Bisher hat man allerdings den Eindruck, daß sie eine Vogel-Strauß-Politik betreiben und die Augen vor den Realitäten verschließen. Alle Kraft ihrer Lobbytätigkeit wird in die Absicherung ihrer angebotsmächtigen Marktsituation gelegt. Mit dem Argument, es wäre notwendig, die Investitionen in das österreichische System des thermohydraulischen Verbunds abzusichern, sollen Konkurrenzangebote verhindert werden. Damit würde sich allerdings auch künftig bei den Preisgestaltungen der österreichischen EVU wenig ändern, befürchtet Kessler.

Daß die Industrie in Österreich und Italien die europaweit höchsten Strompreise bezahlen muß, hat dieser Tage der Deutsche Bundesverband der Energieabnehmer (VEA) festgestellt, dem man sicher nicht eine österreich-spezifische Interessenspolitik unterstellen kann. Nach dieser Veröffentlichung liegt der Industriestrompreis in Österreich mit 1,13 Schilling mehr als doppelt so hoch als in Schweden mit 0,56 Schilling/kWh. Auch die anderen skandinavischen Staaten, wo es bereits seit geraumer Zeit für die Industrie die Möglichkeit gibt, sich den Stromlieferanten auszusuchen, liegen am unteren Ende der Skala der Industriestrompreise in Europa.

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