Krise im Gewerbe und Handwerk hält an

Öffentliche Aufträge weiter rückläufig Leitner: "Luxemburger Modell muß kommen"

Wien (PWK) - Die Krise im Gewerbe und Handwerk hält an. Laut einem Bericht des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung (IfG) leidet der größte private Arbeitgeber Österreichs nach wie vor unter einer andauernden Konjunkturschwäche. Die Auftragsbestände sind im 3. Quartal 1997 gegenüber dem Vorjahr praktisch gleichgeblieben. Größtes Problem im Gewerbe und Handwerk bleibt der Pfusch. Hans Leitner, Syndikus der Bundessektion Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich: "Wir müssen die Schwarzarbeit endlich wirkungsvoll bekämpfen, sonst sehe ich wirklich schwarz". Leitner schlägt in diesem Zusammenhang das Luxemburger Modell vor. Konsumenten sollen die Hälfte der Mehrwertsteuer zurückerstattet bekommen, wenn sie professionelle Handwerker beim Hausbau beschäftigen. ****

Die Personalpläne der Betriebe deuten darauf hin, daß vor allem im Baubereich der saisonbedingte Abbau von Mitarbeitern 1997 früher beginnen wird als in den Vorjahren. Die Unternehmen werden voraussichtlich 2.750 Mitarbeiter (-0,5 Prozent) weniger einstellen als im Vorjahr. Ein echter Zuwachs an Arbeitsplätzen ist im Gewerbe und Handwerk derzeit nur durch Betriebsneugründungen möglich.

Im konsumgüternahen Bereich hat sich die Situation auch im 3. Quartal nicht gebessert. Mehr als ein Drittel der Betriebe meldeten Umsatzrückgänge. Ein leichter Aufschwung im Nahrungs- und Genußmittelbereich und bei den persönlichen Dienstleistungen wird durch weitere Verschlechterungen bei den Kfz-Technikern, die seit 1993 nicht aus ihrer Krise, finden und im Sektor Textil/Bekleidung kompensiert. Gerade in dieser Branche werden Strukturprobleme durch die schlechte Konjunktursituation noch verstärkt.

In den investitionsgüternahen Branchen waren stärkere Rückgänge des durchschnittlichen Auftragsbestandes vor allem bei den Baunebengewerben und den Kunstofferzeugern bis zu -12 Prozent festzustellen. Positiv entwickelten sich hingegen die Wirtschaftsdienstleistungen. Insgesamt meldeten Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern rückläufige Auftragsbestände, jene über 20 Mitarbeiter verzeichneten einen leichten Anstieg.

Der öffentliche Auftragsanteil pendelte sich auf einen Wert um 15 Prozent ein und liegt damit nochmals um 7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Entwicklung wird dadurch verschärft, daß ein wesentlich geringerer Teil der Betriebe als im Vorjahr über öffentliche Aufträge verfügt. Im letzten Jahr konnten mehr als zwei Drittel der Betriebe öffentliche Aufträge abarbeiten, heuer sind es weniger als ein Drittel. Leitner: "Auch hier müssen die Politiker endlich kreativer werden. Investitionen sollen die Beschäftigung für Menschen und nicht für Maschinen stimulieren." Als Beispiel nannt der Syndikus den gesamten Bereich Denkmalschutz und Renovierung, wo in den nächsten 10 Jahren Investitionen in der Höhe von 151 Mrd Schilling notwendig sind. "Wenn diese Investitionen getätigt werden, dann können neben den bestehenden 10.000 Arbeitsplätzen nochmals 10.000 neue Jobs und 1.500 neue Lehrstellen geschaffen werden", betonte Leitner.

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