Textilreiniger kämpfen mit Umsatzeinbrüchen

Knausz: "Senkung der Mehrwertsteuer für personalintensive Dienstleistungen wird europaweit diskutiert"

Wien (PWK) - Die rund 650 gewerblichen Textilreiniger (Putzereien) kämpfen mit rückläufigen Umsätzen. Im 3. Quartal 1997 mußten laut einer Konjunkturbeobachtung des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung 36 % der Betriebe sinkende Umsätze verkraften. Lediglich 10 % konnten ihre Umsätze steigern. Besonders dramatisch war die Situation in Wien, wo 42 % der Unternehmen rückläufige Umsätze auswiesen. Dementsprechend beurteilen bundesweit 33 % der Betriebe die derzeitige Geschäftslage als schlecht und lediglich 14 % als gut. In nur zehn Jahren mußten mehr als 230 Unternehmen das Handtuch werfen (-36,3 %). Derzeit beschäftigen 648 Textilreiniger rund 5.200 Mitarbeiter. ****

Pessimistisch sind die Firmen auch für das nächste Quartal. 23 % der Textilreiniger befürchten weiter sinkende Umsätze. Die zukünftige Geschäftslage wird von 31 % der Betriebe als schlecht und von 19 % als gut eingeschätzt. Die Betriebe planen ihren Personalstand heuer um -1,4 % gegenüber -0,7 % im Vorjahr zu reduzieren.

"Für die aktuelle wirtschaftliche Lage der Textilreiniger gibt es viele Gründe", stellt Michael Knausz, Bundesinnungsmeister der Textilreiniger, Wäscher und Färber fest. So haben sich beispielsweise die Bekleidungsgewohnheiten verändert. Was vor Jahren noch als ungepflegt und im wahrsten Sinn des Wortes "untragbar" galt, ist heute salonfähig. Pflegeleichte Kleidung aus Synthetik, die im Haushalt gewaschen wird, hat sich durchgesetzt. Aber auch die hohen Umweltinvestitionen, die die Branche dank immer schärferer Auflagen tätigen muß und die Verunsicherung der Konsumenten über angeblich umweltschonende Reinigungsverfahren haben ihren Teil dazu beigetragen.

"Ein entscheidender Punkt wir jedoch häufig übersehen: die Mehrwertsteuer", so Knausz. Im Gegensatz zu anderen Branchen gelten für die Textilreiniger in der EU ausschließlich die vollen Mehrwertsteuersätze bis zu 25 % je nach Land. Dieser volle Satz und die regelmäßige Erhöhung der MwSt. in den 80er und 90er Jahren haben sich fatal auf das Verhalten der Konsumenten zum Nachteil der Textilreiniger ausgewirkt. Die Warenmenge in den Putzereien ist regelmäßig zurückgegangen. Vor einigen Jahren betrug das Pro-Kopf-Volumen noch 5,5 kg pro Jahr, heute sind es nur noch 3,5 kg pro Jahr. Knausz: "Die Dienstleistung der Textilreiniger ist zu teuer geworden und könnte auf längere Sicht unbezahlbar werden".

Jetzt wurde in einem belgischen Gutachten festgestellt, daß die Verbraucher ihr Verhalten gegenüber den Textilreinigern entscheidend verändern würden, wenn der MwSt-Satz um 15 % auf den ermäßigten Steuersatz von 6 % gesenkt würde. So würden beispielsweise fast 8 % der Konsumenten ihre Anzüge wieder öfter in der Putzerei reinigen lassen, bei Hosen wären es 11 % und bei Hemden und Tischtüchern sogar 16 %.

Eine holländische Studie zur Verringerung des MwSt-Satzes für Dienstleistungen mit intensivem Personaleinsatz, zu denen auch die Textilreiniger gehören, kommt zu dem Schluß, daß mit einem niedrigeren MwSt-Satz in den Niederlanden 66.200 Arbeitsplätze geschaffen und die Kaufkraft um mindestens 2 % gesteigert werden könnte.

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel: 01-50105-4462

Wirtschaftskammer Österreich

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK