Euro: Fluch oder Segen für die Immobilienwirtschaft?

Steller: "Umstellung auf den Euro könnte Markt für Anlageimmobilien stimulieren"

Wien (PWK) - "Der Euro ist weder Fluch noch Segen, sondern - wie Europa überhaupt - eine Herausforderung für die österreichische Immobilienwirtschaft", betonte Bundesinnungsmeister Gerhard Steller in seinen Grußworten zum 24. Bundestag der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, die heuer unter dem Motto: "Die Zukunft hat schon begonnen - Die Herausforderung Europa für die österreichische Immobilienwirtschaft" vom 1. - 3. Oktober in Wien stattfand. ****

Die Umstellung des Schilling auf den Euro werde den Geldwert nicht beeinflussen. Allerdings könnte sich der Trend vom Sparbuch zum Grundbuch weiter verstärken, da gerade jene, die nicht im großen Stil spekulieren können, ihre Schillinge noch vor der Einführung des Euro in Immobilien anlegen wollen. Die Nachfrage nach Anlageimmobilien könnte demzufolge ansteigen. Insgesamt befinde sich der Immobilienmarkt konjunkturell bedingt noch in einem Preistief und man könne derzeit günstig kaufen, erklärte Steller. Derzeit werden in der Bundesinnung Richtlinien für die Immobilienbranche ausgearbeitet, um die Umstellung auf den Euro für die Immobilienmakler einfach und für den Konsumenten so transparent wie möglich zu gestalten.

Für Jürgen Donicht, Geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Immobiliengruppe Domberger und Festredner der Bundestagung, wird der Euro auf die eigentliche Developmentaufgabe der Immobilienbranche, ob z.B. ein Grundstück gekauft, entwickelt und bebaut werden soll, keine direkten Auswirkungen im größeren Umfang haben. Kurz bis mittelfristig werde die Währungsumstellung jedoch erheblich den Finanzierungssektor beeinflussen. Die Finanzierungsinstrumente müssen sich ebenso wie die gesamte Bankenlandschaft dem Euro anpassen. Dabei wird es zu einem schärferen Wettbewerb kommen. "Hier bringt der Euro im Sinne von Finanzierungsfähigkeit erhebliche Vorteile nicht nur für die österreichische sondern auch für die gesamte europäische Immobilienwirtschaft", so Donicht. A la longue werde es die stärksten Auswirkungen auf dem Gebiet des institutionellen Investments geben. Investmentstrukturen, wie wir sie heute kennen, werden sehr rasch aufgebrochen. Auch die europäische Immobilien AG werde es sicher bald geben, nicht zuletzt beflügelt durch den Zwang zur privaten Vermögensvorsorge.

Bundesinnungsmeister Gerhard Steller betonte, man dürfe die Herausforderung Europa jedoch nicht nur auf die Euro-Problematik reduzieren. Auch in anderen Bereichen würden Aufgaben anstehen, die nach einer Bündelung der Kräfte innerhalb der Immobilienwirtschaft verlangen. So haben die österreichischen Immobilientreuhänder, was die Zulassung zur Berufsausübung und die Aus- und Weiterbildung betrifft, international die Nase vorne. Dennoch ist eine Angleichung der universitären Ausbildung an das EU-Niveau dringend erforderlich. Eine österreichweit agierende Immobilientreuhänderakademie soll das bereits durch die Innungen vorhandene Bildungsangebot vor allem im Bereich der neuen Mitarbeiterausbildung ergänzen. Damit wird eine österreichweite auf gleichem Niveau stehende Ausbildung geschaffen, die eine dem EU-Standard angepaßte Hochschulausbilung inkludiert. (Schluß) MH

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