"Nicht der Markt ist böse, nur sein Mißbrauch ist es"

Erzbischof Schönborn betonte im Club IW die Bedeutung verant- wortungsbewußter Unternehmer für Demokratie und Gesellschaft

Wien (PWK) - Eine andere Facette des Themas Wirtschaft und Gesellschaft präsentierte der Club Internationale Wirtschaft am Donnerstag mit einem Vortrag des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn über ****

die "Katholische Soziallehre und die Wirtschaftsentwicklung nach 1989". Club-Präsident Josef Fröhlich hob einleitend hervor, daß Wirtschaft ohne soziale Verantwortung auf Dauer nicht bestehen könne. Neues Denken über soziale Fragen sei gefordert.

Schönborn warnte eindringlich vor den Gefahren der reinen Marktwirtschaft, die sich seit dem Fall des Kommunismus 1989

immer stärker durchsetzt. Aus dem langen Kampf der beiden Blöcke sei vor allem der Markt als Sieger hervorgegangen, nicht die Freiheit und die christlich geprägte Weltanschauung des Antikommunismus. Man müsse sich daher die Frage stellen, ob nicht neue große Spannungen wieder zu ähnlichen Ideologien wie dem Kommunismus führen können. Die Schere zwischen armen und reichen Ländern werde immer größer, die Verarmung innerhalb der weltlichen Welt nehme zu.

Daß eine umfassende Deregulierung optimales Wirtschaften ermöglicht, sei eine Illusion, sagte Schönborn. Denn dabei werde -ähnlich wie im Kommunismus - übersehen, daß Wirtschaft von Menschen für Menschen gemacht wird. Wo der Mensch zum Objekt wird, werde auf Dauer die Grundlage des Marktes zerstört. Eine Gesellschaft, die den Menschen aus dem wirtschaftlichen Fortschritt wegrationalisiert und in der die Abschaffung von Arbeitsplätzen als Erfolgsmeldung gilt, könne nicht funktionieren. "Erfolg kann nicht nur wirtschaftlich sein, der menschliche Erfolg zählt ebenso" (Schönborn).

Die Zukunft unserer Wirtschaft hängt entscheidend davon ab, ob in Familie, Schule und im gesellschaftlichen Umfeld, die selbständige, verantwortungsbewußte unternehmerische Persönlichkeit gefördert wird, betonte der Erzbischof. Arbeitsplätze würden nicht durch Reden geschaffen, sondern von Menschen, die ganz konkret unternehmerisch tätig sind. Tüchtigkeit, Fleiß und unternehmerischer Mut sollten daher nicht von einer "Neidgenossenschaft" und einem Übermaß an Bürokratie entmutigt werden.

Die Katholische Soziallehre bewertet den wirtschaftlichen Wettbewerb, heute noch ausdrücklicher als früher, grundsätzlich positiv. Der Wettbewerb der Betriebe sei die wirksamste Form der Allokation der Ressourcen, solange er in einem politischen Ordnungsrahmen verankert ist. Dem Staat falle die Aufgabe zu, den rechtlichen Rahmen dafür zu schaffen.

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Maximiliana Tadina

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