Senioren 2 - Experten für Neuorientierung der Seniorenpolitik

Neben Pensionssicherung auch soziale und psychosoziale Aspekte stärker berücksichtigen

Wien (OTS) - Bei der heute, Mittwoch, anläßlich des Welt-Seniorentages in Wien stattfindenden Enquete des Familienministeriums wurde eine von diesem in Auftrag gegebene Studie zur Erforschung der Bedürfnisse der Senioren vorgestellt.

An erster Stelle reihten die Befragten - 800 durchwegs in der Seniorenarbeit tätige Personen - die Solidarität zwischen den Generationen, gefolgt von Kultur des Alterns und von gesellschaftlicher wie politischer Partizipation. An dritter Stelle steht das Thema Gesundheit, Betreuung und Pflege zuhause. Daneben spielen politische Beteiligung und Weiterbildungsmöglichkeiten im Alter eine Rolle. Auch dem Bereich Wohnen wird von den älteren Menschen besondere Beachtung geschenkt.

Nach Meinung des Autors der Studie, Dr. Anton Amann, Leiter des Institus für Soziologie der Universität Wien, ist der Begriff Solidarität zwischen den Generationen in all seinen Facetten zu verstehen. So ist die Sicherung der Pension für viele ältere Menschen zwar ein zentraler Aspekt, moderne Seniorenpolitik bedeutet für sie aber auch die Schaffung von Weiterbildungsmöglichkeiten und die Ermöglichung von Lebens- und Entwicklungsperspektiven.

Auch die Bedeutung des Generationenvertrages müsse sich in Zukunft ändern, sagte Amann. Es gehe nicht allein um die Sicherung der Pensionen, sondern auch um eine gerechte Verteilung der Lasten und Pflichten, um die Integration der Generationen, die Entwicklung neuer Kommunikationsformen, die Weckung von Bürgerengagement, die Stützung der Familien und eine sinnvolle Ergänzung der in ihr erbrachten Leistungen. Auch die Prävention werde eine immer bedeutendere Rolle spielen, um einerseits die Lebensqualität im Alter zu erhöhen und andererseits Kosten zu mindern und den Anforderungen einer alternden Gesellschaft gerecht zu werden. Aufgabe der Seniorenpolitik wird es sein, förderliche und ermutigende Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, betonte Amann.

Die Voraussetzungen für eine so gestaltete Seniorenpolitik sind nach Meinung von Univ.-Doz. Dr. Josef Kytir (Institut für Demographie an der Akademie der Wissenschaften) durchaus positiv einzuschätzen. So leben über 45 % der heute über 60-jährigen in gemeinsamem Haushalt mit einem ihrer Kinder, oder eines der Kinder lebt in unmittelbarer Nachbarschaft. Längst sei auch ein Trend feststellbar, daß immer mehr alte Menschen ihre Pension nicht als Belohnung für ein arbeitsreiches Leben sehen und unproduktiv verbringen, sondern in einer Art "Tauschbeziehung" mit der jüngeren Generation leben. Sie beanspruchen zwar im Bedarfsfall Pflegeleistungen, die entweder von staatlichen Institutionen oder innerhalb der Familie erbracht werden, geben aber ihrerseits der jüngeren Generation finanzielle Unterstützung oder übernehmen Kinderbetreuungsaufgaben. Für die Politik wird es künftig darum gehen, den Menschen Solidarität zwischen den Generationen nicht als Verpflichtung, sondern als gesellschaftliche und private Notwendigkeit zu vermitteln, so Kytir.

(Schluß)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Ingrid Nemec
Tel.: (01) 515 22 DW 5051

Bundesministerium für Umwelt, Jugend & Familie

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BMU/OTS