ÖBDS: Regierungsvorlage wird tote Kinder verursachen

Zentrale Meldestelle für Verletzungen an Kindern

Wien (OTS) - Die Regierungsvorlage zur Novellierung des Bundes-Jugendwohlfahrtsgesetzes (BJWG) 1989 sieht zur Verbesserung des Schutzes von Kindern vor Gewalthandlungen die zentrale Erfassung von Verletzungen beim Jugendwohlfahrtsträger vor. Das zweifellos wünschenswerte Ziel, nämlich die Vermeidung von Gewalt an Kindern wird damit ganz sicher nicht erreicht.

Der Erfolg von Sozialarbeit als qualifizierte professionelle Tätigkeit ist von der gelungenen Balance zwischen Hilfe und Kontrolle abhängig. Die geplante Änderung des BJWG stellt als Denkmodell die Rückkehr zu einer längst überwunden geglaubten Auffassung von Sozialarbeit dar, wie wir sie in ihrer verheerendsten Form als Spitzel- und Meldebehörde zwecks Erfassung behinderter Kinder in der dunkelsten Zeit unseres Jahrhunderts erleben mußten. Zugleich mißachtet eine derartige Bestimmung die wissenschaftlichen Erkenntnisse jener multiprofessionellen Schutzbewegung der letzten zwei Jahrzehnte, die Gewalt gegen Kinder als Ergebnis familialer Lebensbedingungen beschreibt: Latent vorhandene Gewalt gegen Kinder eskaliert unter Streß und Druck. Gewaltreduzierend wirken Entlastung, Hilfe und Unterstützung im Einzelfall, sowie eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen auf gesellschaftlicher Ebene.

Der Österreichische Berufsverband Diplomierter SozialarbeiterInnen fordert daher, daß Betroffenen rechtzeitig der Zugang zu qualifizierter Hilfe, die nicht mit Strafandrohung verbunden ist, möglich wird. Dies wäre im übrigen auch der von uns sehr begrüßte Grundgedanke des BJWG 1989.

Dazu konträr führt die vorgesehene Meldestruktur zu einer inadäquaten Konzentration auf gefährdete Kinder und gleichzeitiger Stigmatisierung von "gefährdenden" Eltern.

Daß dies nicht notwendig ist, belegen auch Analysen der schweren/tödlichen Mißhandlungsfälle der vergangenge Jahrzehnte. In beinahe allen Fällen waren diese Kinder/Familien deren Behörden bekannt. Daß sie dennoch nicht verhindert werden konnten, lag nicht an mangelnder Information, sondern an einer für diese Krisenfälle unzureichenden personellen und materiellen Ausstattung der Hilfseinrichtungen. Die geplante Meldestelle wird die unheilvolle Dynamik verschärfen und würde darüberhinaus nach vorsichtigen Schätzungen zusätzliche 534 Millionen Personalkosten/Jahr verursachen.

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