Wiener Israelitische Kultusgemeinde wirft Lesben und Schwule aus ehemaliger Synagoge

Wien (OTS) - Das Programm des Jahreskongresses, den das Österreichische Lesben- und Schwulenforum dieses Jahr von 24. bis zum 26. Oktober in Sankt Pölten veranstaltet, droht massive Einschnitte zu erleiden. Denn die Wiener Israelitische Kultusgemeinde untersagt heute die Abhaltung der schon gebuchten Abendveranstaltungen in der ehemaligen Synagoge von St. Pölten. Oberrabbiner Eisenberg argumentierte den Hinauswurf mit religionsgesetzlichen Bestimmungen, Amtsdirektor Hodik äußerte "Befremden" über die Präsenz von Lesben und Schwulen in dem der Kultusgemeinde gehörenden Haus.

Der Vorsitzende des Österreichischen Lesben- und Schwulenforum, Hannes Sulzenbacher, protestiert: "Zum einen ist dieses Haus keine Synagoge mehr, und - da keine Thorarollen dort sind - auch kein heiliger Ort. In diesem Haus haben schon Konzerte, Vernissagen und Kabarettabende stattgefunden. Die Kultusgemeinde läßt lediglich ihrer Homophobie freien Lauf." Zu anderen sei es unhaltbar, so Sulzenbacher, mit halachischen Gesetzen gegen die Anwesenheit Homosexueller in einer Synagoge zu argumentieren. "Die Bibel kannte Lesben und Schwule noch nicht, sie spricht sich gegen homosexuelle Akte aus, und die hatten wir in der ehemaligen Synagoge bestimmt nicht vor. Sollte es jedoch die Ansicht Eisenbergers sein, daß Lesben und Schwule nichts in einer Synagoge zu suchen hätten, müßte er wohl in der Wiener Synagoge mit dem Hinauswurf beginnen. "Wenn er nicht alle Lesben und Schwule kennt, bin ich froh. Ich bin ihm nicht beim Aussortieren behilflich."

Letztlich sei es jedoch traurig, daß gerade aus einer Ecke, die genügend Erfahrungen mit öffentlicher Demütigung und Ächtung gemacht hat und macht, Akte gesetzt werden, die andere demütigen und ächten. Sulzenbacher abschließend: Gerade an den Erfahrungen, die das ÖLSF jetzt in Sankt Pölten und letztes Jahr in Dornbirn gemacht, zeige sich die Wichtigkeit dieses Kongresses und der Stärkung der Lesben-und Schwulenbewegung. "Die Absage von Bürgermeister Gruber, Landeshauptmann Pröll und Bischof Krenn waren kalkulierbare Größen. Daß uns jetzt die Kultusgemeinde als Vertragspartnerin kündigt, ist nicht nur demütigend, sondern auch arg geschäftsschädigend. Natürlich erwägen wir rechtliche Schritte."

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