Alpenweites Gemeindenetzwerk "Allianz in den Alpen" in Slowenien gegründet

Resolution zur alpinen Berglandwirtschaft verabschiedet

Wien (OTS) - 23 Gemeinden aus allen sieben Alpenländern haben am vergangenen Samstag in Bovec (SLO) den Verein Gemeindenetzwerk "Allianz in den Alpen" gegründet. Der Verein hat sich die Umsetzung der internationalen Alpenkonvention auf Gemeindeebene zum Ziel gesetzt. Österreichische Gründungsmitglieder sind die Gemeinden Brandberg im Zillertal (Tirol), Mäder (Vorarlberg) und Saalbach-Hinterglemm (Land Salzburg).

Als Präsident wurde Walter Weiss, Bürgermeister der Südtiroler Gemeinde Naturns, gewählt. Die Allianz-Gründungsgemeinden setzen sich für die Zukunft des Gemeindenetzwerkes drei Ziele:

o Ausweitung des Netzwerkes auf andere Gemeinden
o Intensivierung und Vertiefung der Kommunikation zwischen den Gemeinden
o Verstärkung der Umweltarabeit in den Gemeinden.

Auf Intitiative der Gemeinde Saalbach-Hinterglemm beschloß die Gründungsversammlung des Gemeindenetzwerkes eine Resolution, die sich an die Regierungen der Alpenländer sowie an die EU richtet. Verlangt wird die Realisierung fairer Rahmenbedingungen für die alpine Landwirtschaft im Zuge der beabsichtigten Umgestaltung des EU-Agrarsystems (AGENDA 2000). Eingefordert werden die von den Regierungen der Alpenstaaten und der EU in der Alpenkonvention festgelegten Verpflichtungen zur dauerhaften Sicherung einer standortgerechten, umweltverträglichen Berglandwirtschaft.

Die Alpenkonvention, das in Übereinkommen zum Schutz der Alpen, ist seit dem Jahr 1995 in allen Vertragsstaaten in Kraft. Darin verpflichten sich die Regierungen der Alpenländer sowie die Europäische Gemeinschaft zu Maßnahmen, die zu einer dauerhaften Sicherung des Lebens- und Wirtschaftsraumes Alpen und seiner natur-und kulturlandschaftlichen Schätze beitragen.

Das Gemeindenetz steht allen Interessierten zur Teilnahme offen.

Resolution

verabschiedet von der Gründungsversammlung des Gemeindenetzwerkes "Allianz in den Alpen", gerichtet an die Signatare der Alpenkonvention (A, CH, D, F, FL, I, SLO, EU).

In der Überzeugung,

o daß der Erhalt der bäuerlichen Land- und Forstwirtschaft eine Schlüsselfrage für die Zukunft des Alpenraumes darstellt,

o daß die Erhaltung des Alpenraumes als umweltgerechter Lebens-und Wirtschaftsraum mit funktionierendem Sozialgefüge, sowie als Freizeit- wie auch als Naturraum ohne dauerhafte Sicherung der landwirtschaftlichen Betriebe nicht möglich ist,

o daß die landwirtschaftliche Tätigkeit im Alpenraum auf die Erzeugung typischer, an bestimmte Regionen und kulturelle Werte gebundene Produkte ausgerichtet bleiben muß,

o daß der Erhalt der alpinen Land- und Forstwirtschaft durch möglichst landwirtschaftsnahe Zu- und Nebenerwerbsmöglichkeiten unterstützt werden muß,

o daß die dauerhafte Sicherung der alpinen Land- und Forstwirtschaft letztlich von fairen Rahmenbedingungen für die unternehmerische Initiative der Bauern abhängt,

unter Bezugnahme

o auf das im Übereinkommen zum Schutz der Alpen (Alpenkonvention) ausgedrückte Ziel, im Interesse der Allgemeinheit die Bewirtschaftung der traditionellen Kulturlandschaften sowie eine standortgerechte, umweltverträgliche Landwirtschaft zu erhalten und unter Berücksichtigung erschwerten Wirtschaftsbedingungen zu fördern (Art. 2, Abs. 2 g des Übereinkommens zum Schutz der Alpen),

o auf das präzisierende Protokoll "Berglandwirtschaft", insbesondere die Artikel 7, 9, 11 und 14,

richtet die Gründungsversammlung des Gemeindenetzwerkes "Allianz in den Alpen" an die Signatare der Alpenkonvention folgende Forderungen:

1. Die Möglichkeit zur bäuerlichen Direktvermarktung muß auch in Zukunft gewahrt bleiben, insbesondere sind die Rahmenbedingungen so zu gestalten, daß zumindest die Direktvermarktung innerhalb des eigenen Betriebes auch ohne unzumutbare Investitionen in Maschinen und Anlagen möglich bleibt (z.B. rechtliche Absicherung der Ab-Hofschlachtung, zumutbare Hygienebestimmungen).

2. Zur Absicherung der am Nachhaltigkeitsprinzip orientierten Wirtschaftsweise müssen alle Initiativen zur regionalen Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse unterstützt werden. Vorrangig geht es um den dauerhaften Erhalt kleinerer, in der Region verankerter Verarbeitungs- und Veredelungsbetriebe. Diese bilden einen wesentlichen Bestandteil der gewünschten regionalspezifischen Qualitätsproduktion (Erhalt regionaler Metzgereien, Molkereien, etc.).

3. Als wesentliches Element zur ökonomischen Absicherung der alpinen Landwirtschaft müssen die Rahmenbedingungen für die bäuerliche Teilnahme am Tourismus gesichert werden. Besonders betrifft dies die rechtlichen und förderungspolitischen Grundlagen für die Zimmervermietung am Landwirtschaftsbetrieb (Urlaub am Bauernhof).

4. Gerade vor dem Hintergrund künftiger WTO-Vereinbarungen muß bei der Ausgestaltung von Förderungsinstrumenten auf die ökologischen Aufgaben der alpinen Berlandwirtschaft besonders geachtet werden, damit die alpine Landwirtschaft auch weiterhin zur Marktteilnahme befähigt bleibt (Preisproblem!)

5. Darüber hinaus muß der alpinen Landwirtschaft auch eine Unterstützung dafür zugedacht werden, daß sie über ihre wirtschaftlichen Aufgaben hinaus auch Flächen von besonderer kultureller und landschaftlicher Bedeutung, deren Bewirtschaftung unrentabel ist, sachgemäß pflegt und bewirtschaftet.

Bovec, Slowenien, am 27. September 1997

Einstimmig verabschiedet von der Gründungsversammlung des Gemeindenetzwerkes "Allianz in den Alpen".

Bad Reichenhall/D
Bobbio Pelice/I
Bovec/SLO
Budoja/I
Eppan/I
Grossweil/D
Kranjska Gora/SLO
Levico Terme/I
Mäder/A
Mittenwald/D
Naturns/I
Oberammergau/D
Oberstaufen/D
Saalbach-Hinterglemm/A
Saas Fee/CH
San Zeno di Montagna/I
Schaan/FL
Schliersee/D
Silenen/CH
Ste-Marie du Mont/F
St. Martin/CH
Treviso Bresciano/I
Val Lumnezia/CH

Rückfragen & Kontakt:

Koordinationsbüro Gemeindenetzwerk
Dr. Roland Kals
Tel.: 0662-644 777

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