Soziale Kälte in katholischem Orden

Wien (OTS) - Das Missionshaus Sankt Gabriel der "Provinz
Österreich der Gesellschaft des göttlichen Wortes", 2340 Mödling, Gebrielerstraße 171, schließt per 30. September 1997 zwei Produktionsbetriebe in Mödling.

Es handelt sich dabei um die Druckerei und die Buchbinderei. Den Mitarbeitern beider Betriebe wurde dies am 4. Juli 1997 mitgeteilt. Seit diesem Zeitpunkt versuchten die Betriebsräte gemeinsam mit der zuständigen Gewerkschaft Druck und Papier (DuP) nach möglichen Lösungen und Alternativen. Die Belegschaft überlegte auch, den Betrieb in Selbstverwaltung weiterzuführen. Eine Überprüfung durch die Wirtschaftsabteilung der Arbeiterkammer Niederösterreich kam jedoch zu dem Ergebnis, daß die Schließung des Betriebes nur durch die Übernahme eines finanzstarken Partners verhindert werden könnte. Leider war dies nicht der Fall. Auch wurden niederösterreichische Spitzenpolitiker mit der Situation befaßt und um Unterstützung gebeten.

In dieser Zeit verhärtete sich das Betriebsklima zusehends. Besonders die Aktivitäten eines Steuerberaters des Ordens verschärfte die ohnehin angespannte Situation unnötig. Für einige Kolleginnen und Kollegen konnten in weiterer Folge durch arbeitsrechtlichen Druck akzeptable Ergebnisse erzielt werden. Erst als definitiv erkennbar war, daß eine Weiterführung des Betriebes aus verschiedenen Gründen kaum vorstellbar sei, wollten die Arbeitnehmervertreter einen Sozialplan abschließen, um die entstehenden Härten für die betroffenen Arbeitnehmer abzufedern. Dazu wurden mehrere Gespräche zwischen den Vertretern des Ordens und der Belegschaft geführt.

Nach anfänglichen Zusagen zu einem - von den Arbeitnehmern in vornehmster Zurückhaltung formulierte - freiwilligen Sozialplan durch die Ordensleitung, wurde nach einer gewünschten Veränderung im Sinne der Arbeitnehmer die bereits ausverhandelte freiwillige Zuwendung seitens des Ordens wieder verworfen und für null und nichtig erklärt. Ein nochmals angebotenes Gespräch durch die Arbeitnehmervertreter wurde von der Ordensleitung nicht wahrgenommen. Nur individuelle finazielle Leistungen wurden vage in Aussicht gestellt.

In Zeiten des erhöhten Drucks auf die Arbeitnehemer in Österreich hätte man sich gerade von kirchlichen Institutionen vermehrtes Verständnis für soziale Schwierigkeiten erwartet. Im Gegensatz dazu nimmt die Gewerkschaft Druck und Papier die soziale Verantwortung für die Beschäftigung wahr und versucht, für die Betroffenen neue Arbeitsplätze zu finden und die Probleme für die Arbeitnehmer zu mildern.

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