"Anton Uran - Verfolgt - Vergessen - Hingerichtet

Präsentation des Buches über den mutigen Widerstand eines Zeugen Jehovas gegen das NS-Regime

Wien (OTS) - Gestern abend wurde auf Einladung von Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer das Buch von Vinzenz Jobst "Anton Uran - Verfolgt - Vergessen - Hingerichtet" präsentiert.

Das Buch beschreibt das Schicksal des Kärntner Holzarbeiters Anton Uran. Als Angehöriger der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas wurde er am 23. Jänner 1943 in Berlin-Brandenburg wegen Zersetzung der Wehrkraft hingerichtet. Er weigerte sich auf Grund seines christlichen Glaubens eine Teil der NS-Kriegsmaschinerie zu sein.

Dr. Heinz Fischer stellte fest: "Es ist jede Anstrengung wert, einen Menschen auch posthum zu rehabilitieren, der zu unrecht von einem Unrechtsstaat verurteilt wurde."

Vinzenz Jobst beschrieb bei der Präsentation auch die gemeinsamen Bemühungen mit dem Rechtsanwalt Dr. Piuk und dem Bruder des NS-Opfers, Erasmus Uran, Anton Uran zu rehabilitieren und ihn damit der Vergessenheit zu entreißen.

Im Juni dieses Jahres wurde das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte ein Gesetz aus dem Jahr 1945 angewandt und das auf Anton Uran. Das Landesgericht für Strafsachen in Wien hob das NS-Todesurteil gegen den Zeugen Jehovas auf. Nach über 50 Jahren gilt das seinerzeitige Urteil als nicht erfolgt, und somit war die Vollstreckung des Todesurteils Unrecht. Die bürgerlichen Ehrenrechte des Anton Uran sind damit wiederhergestellt.

Jehovas Zeugen verweigerten sich dem Nationalsozialismus konsequent und friedlich - eine bemerkenswerte Form des geistigen Widerstandes aus christlicher Überzeugung. Wegen ihrer Kompromißlosigkeit wurden sie in Deutschland von Beginn des NS-Regimes in Jahr 1933 an verfolgt. Nach dem Anschluß erstreckte sich die Verfolgung der Zeugen auch auf Österreich. Von den etwa 550 Zeugen Jehovas zu Beginn des Krieges verloren mindestens 142 für ihren Glauben das Leben.

Allein in Berlin wurden 37 von ihnen hingerichtet, zumeist durch Enthauptung. Unter diesen war auch Anton Uran.

Der Kirchenpräsident Martin Niemöller erläutert in diesem Zusammenhang: "Die Ernsten Bibelforscher sind ... zu Hunderten und Tausenden ins Konzentrationslager und in den Tod gegangen ..., weil sie den Kriegsdienst ablehnten und sich weigerten, auf Menschen zu schießen." Dr. Christine King (Staffordshire University, Großbritannien): "Von Anfang an nahmen Jehovas Zeugen eine klare Position oder Haltung ein, und sie bewahrten ihren Standpunkt politischer Neutralität."

Die gesellschaftspolitische Dimension des geistigen Widerstandes dieser Minderheit wird durch Dr. Susannah Heschel (Case-Western-Reserve-Universität, USA) kommentiert, die fragt: "Was wäre, wenn sich die evangelische Kirche und die Katholiken wie die Zeugen Jehovas verhalten hätten? Die Geschichte wäre anders verlaufen!"

In Anbetracht der Aussage von Dr. Detlef Garbe, daß "keine andere Gruppe, mit Ausnahme der Juden, so stark unter dem Nationalsozialismus leiden mußte", ist es nur recht und billig, die Ehre dieser Zeugen Jehovas, die "ein Lichtblick in dunkler Zeit" waren, wiederherzustellen.

Weitere Rehabilitierungen werden daher von seiten der Zeugen Jehovas angestrengt.

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Informationsdienst der Zeugen Jehovas
Ing. Bernd Gsell
Tel.: (01) 804 53 45/26

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