Univ.-Prof. Streissler: Österreich hat in W-Europa die viertniedrigsten Arzneimittelpreise - Hauptverband gegen Aufhebung der Bedarfsprüfung

Wien (OTS) - Am Apothekertag in Gmunden nahm heute der stellvertretende Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Dr. Josef Probst, zur Bedarfsprüfung für Apotheken Stellung: "Die Position der Sozialversicherungen ist eindeutig. Sie sind gesundheitspolitisch dafür, daß die Bedarfsprüfung aufrecht bleibt."

Der Wirtschaftswissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Erich Streissler sprach sich in seinem Festvortrag am Apothekertag gegen das Sparen am Arzneimittelsektor aus. "Kostenreduktion in einem Teil des Gesundheitssektors kann insgesamt kostenerhöhend wirken und so kontraproduktiv sein. Tendenziell erhöht es die Gesundheitsausgaben, statt sie zu senken. Denn oft ist die medikamentöse Behandlung eine billigere Alternative zu anderen Arten von Gesundheitsausgaben", sagte Streissler vor den über 500 versammelten Apothekern.

Neue amerikanische Studien zeigen, so Streissler, daß Medikamente teure Spitalsaufenthalte ersetzen können, was im Schnitt nicht selten kostensparend ist. Ein zusätzlicher Medikamentenaufwand, berichtete Streissler über die amerikanischen Untersuchungen, senkt die Gesundheitskosten um das ein- bis zweifache, wobei die Kostensenkung vor allem auf die Einführung neuer Medikamente zurückgeht.

Kritisch äußerte sich Streissler zur "reduzierenden Kontrolle" der ärztlichen Arzneimittelverschreibungen. Diese Kontrolle sei zwar technisch leicht durchzuführen und daher ein verführerischer Weg, sie kann jedoch im Endeffekt zu einer Zunahme an technisch aufwendigen Untersuchungen, zu einer Zunahme von Überweisungen an Fachärzte und zu erhöhten Spitalseinweisungen, und damit zu wesentlich höheren Kosten führen.

Die ständig wiederkehrenden Behauptungen von hohen Arzneimittelpreisen in Österreich widerlegte Streissler klar: "Nach einer Studie aus 1995 hat Österreich unter 15 westeuropäischen Staaten (einschließlich der Schweiz, aber ohne Luxemburg) die viertniedrigsten Arzneimittelabgabepreise. Dabei liegt die Apothekenspanne im mittleren Bereich."

Streissler beschäftigte sich auch in seinem Vortrag mit der Bedarfsprüfung und kam zum Schluß, daß "der internationale Vergleich zeigt, es wäre unwahrscheinlich, daß eine Deregulierung des Apothekenzutrittes die Apothekenpreise wesentlich senken würde."

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