"Das Unverständliche verständlich, die Welt begreifbar machen"

Hohe polnische Auszeichnung an Adam Zielinski überreicht -Alexander Giese: "Er ist besessen von einer Trias, die da heißt: Wahrheit, Widerstand, Freiheit" - BILD

Wien (OTS) - Dem Schriftsteller, der sich mit dem Zeitgeschehen befaßt, gehe es darum, "sinnstiftend zu wirken, ins Chaos eine Ordnung zu bringen, das Unverständliche verständlich, die Welt befreifbar zu machen", erklärte der Präsident des Österreichischen PEN Clubs, Prof. Dr. Alexander Giese am Donnerstag-Abend anläßlich der Verleihung des Kommandeurkreuzes des Ordens der Wiedergeburt Polens an Prof. Adam Zielinski. Giese bescheinigte dem österreichischen Autor polnischer Herkunft "schöpferische Energie" und meinte, es gehöre "schon eine gehörige Portion Besessenheit" dazu, "eine so große Anzahl guter Bücher in so wenigen Jahren" zu schreiben.

Zielinski - formulierte Giese - sei "so verrückt, daß er aktiven und verbalen Widerstand leistet; er glaubt an die Möglichkeit der Freiheit der Person selbst im kollektiven Chaos, er ist besessen von der Trias, die da heißt: Wahrheit, Widerstand und Freiheit. Diese sucht er im Zeitgeschehen, diese findet er in unserer Gegenwart, für diese tritt er ein."

Zielinski gelinge es in seinen Büchern, "uns verständlich zu machen, was bei uns und anderswo, was in Europa, Amerika, in Asien in Krieg und Frieden vor sich geht." Das gelinge ihm als Autor, "als Schöpfer von außerordentlich vielen, prägnanten Charakteren". Er zeichne "ein Pan-Dämonium schillerndster Zeitgenossen" und "vielfältiges geschichtliches Geschehen in knappst möglicher Auswahl". Giese wörtlich: " So kann er sehr viele zeitgeschichtliche Tendenzen erfassen; sie alle werden quasi im Modell sichtbar." Und weiter: "Was etwa in Jugoslawien, was mit Serben, Kroaten, Bosniern und Slowenen geschehen ist, was diese taten und unterließen, das haben wir zwar alle aus den Medien erfahren, oder auch selbst auf Reisen erlebt. Verstanden wie es dazu kam, daß dieses Staatengebilde zerfiel und in blutigen Kämpfen endete, verstanden habe ich das erst, als ich Zielinskis Roman 'Unweit von Wien' las. Und auf diese Weise haben mich alle seine Romane in Wahrheit aufgeklärt. Das unterscheidet sich auch von bloßen Reportagen. Seine Romane stiften Sinn."

Der polnische Botschafter Prof. Dr. Jan Barcz würdigte bei der Überreichung der Auszeichnung Zielinskis als "Europäer und Weltbürger, den enorme Offenheit gegenüber den Menschen und Toleranz auszeichnet."

Im Rahmen der Feierstunde las der Autor aus der Erzählung "Der Provinzler", die in Kürze in einem Sammelband mit dem Titel "Unser aller täglich Brot" im R. Fischer Verlag erscheint. Darin erinnert sich der in Galizien geborene Autor seiner Jugend. Er - Zielinski -sei "ein Galizianer". Und die Geschichte habe "ausgerechnet Galizien" ausgewählt, "um auf seinen Fluren ihre unberechenbaren Spiele zu treiben."

An der Feier in der Polnischen Botschaft nahmen zahlreiche Freunde des Autors - unter ihnen Dipl.-Ing. Simon Wiesenthal - teil.

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