Stein-Keramik: Dramatischer Geschäftseinbruch im Sommer

Schlechte Witterung und Rekordtiefstände bei den Aufträgen ließen Zuwachsraten aus dem 1. Halbjahr dahinschmelzen

Wien (PWK) - "Die Zuwachsraten aus dem 1. Halbjahr sind in den Sommermonaten in vielen Baustoffbranchen dahingeschmolzen", berichtete Leopold Helbich, Vorsteher des Fachverbandes der Stein-und keramischen Industrie bei einer Pressekonferenz in der Wirtschaftskammer Österreich. Im 1. Halbjahr konnte die Branche ihren Umsatz noch um 5 Prozent auf 18,2 Mrd Schilling steigern, in den Monaten Juli und August gab es jedoch einen dramatischen Geschäftseinbruch, der nicht nur witterungsbedingt war, sondern auch auf einen Rekordtiefstand bei den Aufträgen zurückzuführen ist. Dementsprechend dürfte der Umsatz per Ende August kumuliert nur um 2,5 Prozent steigen. ****

Positiv entwickelten sich im 1. Halbjahr die Putz- und Mörtelindustrie (+15%), die Zementindustrie (+12%) sowie die Rohstoffprodukte Naturstein, Sand und Kies mit jeweils 10%. Rückgänge verzeichneten hingegen die exportorientierten Branchen Feinkeramik (-0,65%) und Schleifmittel (-1,56%). Der Abbau der Beschäftigten hat sich mit einem Rückgang von nur 0,7 Prozent auf 20.160 Mitarbeiter deutlich verlangsamt. Im vergangenen Jahr waren es noch -5 Prozent. Die Gesamtbeschäftigung wird jedoch weiter abnehmen, da sich auch heuer die Winterstillstände nicht verkürzt, sondern verlängert haben.

Die Exporte konnten 1996 um 1,8% auf 5,3 Mrd Schilling gesteigert werden, die Importe erhöhten sich um 0,8% auf 6,65 Mrd Schilling. Das Außenhandelsdefizit nahm damit erfreulicherweise um 2,4% ab. Mit 2,2 Mrd Schilling hat die Stein- und keramische Industrie im vergangenen Jahr ihre Investitionen um rund 37 Prozent zurückgenommen. Heuer werden die Unternehmen voraussichtlich 2,3 Mrd S. investieren, was einem Plus von 5,1 Prozent entspricht. "Das Umsatzplus von 5 Prozent im 1. Halbjahr darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir lediglich das Niveau von 1994 erreicht haben. Insgesamt wird der Umsatz heuer nur um maximal 1 bis 2 Prozent steigen", so Helbich.

"Seit der Ostöffnung und der EU-Integration spürt die Baustoffindustrie einen noch nie gekannten Preis- und Wettbewerbsdruck", stellte Erhard Schaschl, stv. Vorsteher des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, fest. Angesichts einer rückläufigen Nachfrage in der Bauwirtschaft sind etliche Sparten mit zweistelligen Rückgangsraten bei den Preisen konfrontiert. Um den Wirtschaftsstandort Österreich langfristig zu sichern müssen laut Schaschl die Arbeitskosten drastisch verringert, die Umweltvorschriften in der EU harmonisiert, das Sozial- und Ökodumping durch osteuropäische Länder unterbunden und vor allem die Bürokratie abgebaut werden. So konnte beispielsweise in Deutschland nachgewiesen werden, daß ein Viertel der Baukosten administrative Kosten sind, "die verschleudert werden um den bürokratischen Apparat am Leben zu erhalten, angefangen bei aufwendigen Genehmigungs-, Planungs- und Überwachungsverfahren der Behörden bis hin zu unmäßig teuren Erschließungs- und Versorgungskosten. Das ist bei uns nicht viel anders". Nur mit schlanken Strukturen könne verhindert werden, daß Österreich seinen industriellen Kern verliert und nur noch zum Markt für Baustoffe wird, so Schaschl.

"Die heimische Zementindustrie konnte heuer wieder Kunden zurückgewinnen", erklärte Friedrich Schmid, Vorsitzender der österreichischen Kalkindustrie im Fachverband. Nachdem im vergangenen Jahr noch 1,1 Mio t Zement importiert wurden, dürften die Einfuhren heuer auf 850.000 t zurückgehen. Der Umsatz stieg im 1. Halbjahr 1997 um rund 12% auf 1,75 Mrd Schilling. Ähnlich wie in der gesamten Stein- und keramischen Industrie läuten auch in der Zementindustrie nach den Sommermonaten die Alarmglocken. Der Umsatz ging im Juli und August jeweils um rund 10 Prozent zurück, so daß Ende August nur um 3,3% mehr Zementprodukte verkauft wurden als im Vorjahr. Angesichts der anhaltenden Krise am Bau rechnet Schmid für das gesamte Jahr 1997 mit einem Plus von höchstens 2 Prozent.

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