Apotheker-Präsident warnt vor Unterversorgung der älteren Bevölkerung

Wien (OTS) - Die künftigen Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker für die Bevölkerung stand heute, 18. September, im Mittelpunkt eines Pressegesprächs des Präsidenten der Österreichischen Apothekerkammer, Dr. Herbert Cabana. Anlaß dafür war der von 18. - 21. September stattfindende Apothekertag in Gmunden. Die Tagung hat das Thema "Apotheker im Spannungsverhältnis von Liberalisierung, Kostenentwicklung und Nahversorgung".

Apotheker warnen vor Nachteilen für Bevölkerung durch "amerikanische" Verhältnisse

Zwei Spannenkürzungen (1995, 1997) haben die Apotheken an den Rand ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten gebracht. Weitere Einsparungspotentiale sind nicht mehr gegeben, wenn der bisherige Standard der apothekerlichen Leistung vor allem in fachlicher Hinsicht aufrecht erhalten bleiben soll. Cabana berichtete in diesem Zusammenhang von den Verhältnissen in den USA und Kanada, wo er sich zu Beginn des Monats aus Anlaß des Welt-Apothekerkongresses, der in Vancouver stattfand, aufgehalten hat. Dort gibt es eine nahezu totale marktwirtschaftliche Orientierung bei der Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Das hat aber dazu geführt, daß

1. Apotheken nur mehr als "Abgabe Eckerl" in Supermärkten existieren,
2. Kaum Fachpersonal eingesetzt wird, persönliche Betreuung durch Apotheker ist daher kaum mehr möglich,
3. um die Lagerkosten gering zu halten, immer nur einige hundert verschiedene Medikamente vorrätig sind (in Ö mehrere tausend).

"Diese amerikanischen Verhältnisse und absolute Marktorientierung im US-Gesundheitssystem haben jährlich 1000 Milliarden (!) Schilling an Mehrkosten zur Folge. Dieser Betrag muß zusätzlich zu den eigentlichen Gesundheitskosten investiert werden, um die Folgen von falsch eingesetzten Medikamenten zu reparieren", verweist Cabana auf Berichte der Univ.-Prof. Linda M. Strand aus Minnesota, die diese Zahlen für die USA am Kongreß in Vancouver vorgestellt hat. Vergleichbare Bedingungen bei uns in Österreich hätten, so Cabana, zusätzliche Kosten in Milliarden-Höhe zum Beseitigen von Fehlern aus dem Fehleinsatz von Medikamenten zur Folge. Das derzeitige Budget der Krankenversicherungen beträgt für Medikamente aus öffentlichen Apotheken 13,6 Mrd. Schilling (inkl. der Rezeptgebühr). Die Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker ist somit ein wesentlicher Faktor für den richtigen und somit sparsamen Gebrauch von Medikamenten, betont Cabana.

Ausgaben für Medikamente werden durch Altersentwicklung überproportional steigen

Cabana wies auch darauf hin, daß die Ausgaben für Gesundheitskosten durch die Altersentwicklung der Bevölkerung überproportional steigen werden. So sind zur Zeit mehr als die Hälfte der Kunden in Apotheken über 60 Jahre alt. Derzeit liegt der Anteil der Über-60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung bei 19,7 %, in 30 Jahren sind es aber schon 31,3 %! Cabana: "Wir wollen nicht, daß es in einigen Jahren heißt, wichtige Gesundheitsleistungen stehen ab einem, gewissen Alter nicht mehr zur Verfügung".

In der EU ist nur Deutschland ohne Bedarfsregelung bei der Apothekenkonzessionierung

Beim Presssegespräch kam Cabana auch auf die derzeit stattfindende Prüfung des Konzessionsverfahrens für Apotheken durch den Verfassungsgerichtshof zu sprechen. Cabana wies darauf hin, daß Gerichte in Österreich gewissenhaft und verantwortungsbewußt vorgehen. Mit der Entscheidung des VfGH sind die Fragen der Niederlassungsfreiheit und die der Kostenentwicklung im Gesundheitssystem verbunden. Neu entstandene und daher kleine Betriebe, arbeiten nicht so kostengünstig, und können daher den Krankenkassen zur geringere Nachlässe geben, wie es das Gesetz auch vorsieht.

Eine weitere Folge eines Apothekensystems ohne Bedarfsprüfung könnte auch die Neuansiedelung von Apotheken in Einkaufszentren und Einkaufsstraßen, oder das Abwandern bestehender Betriebe dorthin, auf jeden Fall aber weg von der Wohnbevölkerung, sein. Die Entwicklung in Deutschland bestätigt diese Befürchtungen. Dort gibt es im Gegensatz zu den restlichen 14 EU-Staaten die völlige Niederlassungsfreiheit für Apotheken. Überall anders orientiert sich die Möglichkeit, eine Apotheke zu eröffnen, am Bedarf.

Nahversorgungsfunktion der Apotheken gefährdet

"Im Krankheitsfall werden Medikamente rasch und ohne weite Anmarsch, und Anfahrtswege gebraucht. Unsere Statistiken zeigen, daß 70 % der Arzneimittel von Personen über 60 Jahren bezogen werden. Für ältere Menschen sind weite Wege, wie z.B. in Einkaufszentren an der Peripherie, aber besonders beschwerlich, wenn nicht gar, wie etwa im Krankheitsfall, unzumutbar", warnt Cabana mit Hinweis auf eine mögliche Verdünnung des Apothekennetzes und der Nahversorgung.

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Tel.: 404 14/600

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