Wirtschaft engagiert sich für Ausbildung

Wien (OTS) - Vor allem die Klein- und Mittelbetriebe haben sich in der Lehrlingsoffensive vorbildlich engagiert. Trotzdem ist der Wiener WK-Vizepräsident und FWV Wien-Präsident, LAbg GR Friedrich Strobl, mit der Entwicklung auf dem Ausbildungssektor nicht zufrieden. Obwohl es in Wien per Anfang September um 340 BerufsschülerInnen mehr als 1996 gab, ist ein Ende der Ausbildungskrise nicht in Sicht, prophezeit der FWV-Präsident.

Wenn das derzeitige Lehrstellenangebot ausgebaut werden soll, sind Verbesserungen antiquierter Rahmenbedingungen dringend nötig, fordert der FWV.

Unternehmerwunsch: Lehrverträge sollen leichter gelöst werden können

Als Zwangsjacke der Lehrlingsausbildung sehen viele Unternehmer vor allem die Schwierigkeiten bei der Auflösung von Lehrverträgen, zieht WK-Vize Strobl über eine FWV-Umfrage unter Wiener Betrieben Bilanz.

So besteht nur dann die Möglichkeit der Kündigung eines Lehrvertrages, wenn eine aktive Pflichtverletzung des Auszubildenden vorliegt. Wer allerdings Betrieb und Schule zumindest pünktlich und regelmäßig frequentiert, kann nicht gekündigt werden: Auch dann nicht, wenn etwa das schulische Versagen durch mehrere Zeugnis-Fünfer dokumentiert ist oder ständige Krankenstände ein Fortkommen im Bereich der betrieblichen und schulischen Ausbildung verhindern.

"Wer im Falle einer Kündigung aus diesen Gründen nicht vor dem Arbeitsgericht landen will, muß den Lehrvertrag aussitzen", so Strobl. Deshalb will der Freie Wirtschaftsverband Wien nun eine paritätisch besetzte Kommission ins Leben rufen, die die einvernehmliche Lösung von Lehrverträgen unter Diskussion und Beachtung der Standpunkte aller Beteiligten zumindest diskutabel macht.

Berufsausbildungs- als Lehrlingsverhinderungs-Gesetz

Vor allem das Berufsausbildungsgesetz im Bereich der Verordnungen zu den Verhältniszahlen zwischen Ausbildnern und Lehrlingen ist dem FWV ein Dorn im Auge. Bei Malern und Anstreichern z. B. sind 8 bis 10 fachlich einschlägig ausgebildete Personen für die Ausbildung von bis zu 6 Lehrlingen erforderlich. Die Bedingungen für die Ausbildung jedes weiteren Lehrlings, meint Strobl, führen jedoch den Wunsch nach mehr Ausbildungsplätzen in qualifizierten Betrieben ad absurdum.

Denn wer mehr als 6 Lehrlinge im Beruf Maler und Anstreicher ausbilden möchte, benötigt laut Verordnung zum Berufsausbildungsgesetz pro Lehrling weitere 5 fachlich einschlägig ausgebildete Personen im Betrieb. "Warum für die Ausbildung von zwei Lehrlingen nur eine, von 7 Lehrlingen aber 15 fachlich einschlägig ausgebildete Personen nötig sind, darüber gibt diese Lehrlingsverhinderungsverordnung keine Auskunft", kritisiert der FWV Wien.

Für jeden der bisher etwa 230 Lehrberufe gilt eine derartige spezielle Verordnung, die bei Wirtschaftskammer bzw. Wirtschaftsministerium mühsam erfragt werden muß.

Lehrberufsliste gefragt

Zur Zeit bekommt man allerdings keine Antworten. Wer Lehrlinge entsprechend der durch die per 1. 9. in Kraft getretene Novellierung der Gewerbeordnung entstandenen neuen Berufsbildern ausbilden und sich deshalb informieren möchte, wird vom Wirtschaftsministerium vertröstet. "Während vor allem die Unternehmer ständig gedrängt werden, Ausbildungsplätze auch in den neuen Berufen zu schaffen, wird im Wirtschaftsministerium noch bis mindestens Ende September an der neuen Lehrberufsliste gearbeitet", kritisiert Strobl.

Dispensmöglichkeit für Ausbildungsprüfung

Kritisch sieht Strobl auch die massive Einbindung der AK bei der Überprüfung der betrieblichen Voraussetzungen für die Lehrlingsausbildung. "Die überzogene Einforderung von allgemeinen Arbeitnehmerschutzbestimmungen, etwa im Bereich von Garderoben und Sanitäranlagen, lassen viele Unternehmer darauf verzichten, sich als Ausbildungsbetrieb qualifizieren zu lassen. Bei der derzeitigen Situation am Ausbildungsmarkt können wir uns die Diskussion über Gangtoiletten aber nicht leisten", meint Strobl.

Außerdem hat das Lehrlingspaket die Hürde der Ausbildungsprüfung nur zum Teil entschärft. "Auch wenn die Prüfung für Unternehmer, die zum ersten Mal ausbilden, nun durch einen Kursbesuch ersetzt werden kann, fällt es vor allem Klein- und Kleinstbetrieben schwer, diese Anforderungen innerhalb von eineinhalb Jahren zu erfüllen." Deshalb schlägt Strobl eine Dispensmöglichkeit für Härtefälle bei Kleinbetrieben vor.

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